 Garten auf und ab, in den
herrlichen Sommertagen, oder im Boskett, wo's so dunkle Laubgänge gibt, wenn wir
simulieren, so gehen wir dorthin und entfalten alles im Gespräch, dann schreib
ich's abends alles auf und schick Dir's mit dem Jud in die Stadt, und Du bringst
es nachher in eine dichterische Form, damit, wenn's die Menschen einst finden,
sie um so mehr Ehrfurcht und Glauben dran haben, es ist ein schöner Scherz, aber
nehm's nur nicht für Scherz, es ist mein Ernst, denn warum sollten wir nicht
zusammen denken über das Wohl und Bedürfnis der Menschheit?
    Warum haben wir denn so manches zusammen schon bedacht, was andere nicht
überlegen, als weil's der Menschheit fruchten soll, denn alles, was als Keim
hervortreibt, aus der Erde wie aus dem Geist, von dem steht zu erwarten, dass es
endlich Frucht bringe, ich wüsste also daher nicht, warum wir nicht mit
ziemlicher Gewissheit auf eine gute Ernte rechnen könnten, die der Menschheit
gedeihen soll. Die Menschheit, die arme Menschheit, sie ist wie ein Irrlicht in
einem Netz gefangen, sie ist ganz matt und schlammig. - Ach Gott, ich schlaf gar
nicht mehr, gute Nacht, alleweil fällt mir ein, unsre Religion muss die
Schwebereligion heißen, das sag ich Dir morgen.
    Aber ein Gesetz in unserer Religion muss ich Dir hier gleich zur Beurteilung
vorschlagen, und zwar ein erstes Grundgesetz. Nämlich: Der Mensch soll immer die
größte Handlung tun und nie eine andre, und da will ich Dir gleich zuvorkommen
und sagen, dass jede Handlung eine größte sein kann und soll. - Ach hör! - Ich
seh's schon im Geist, wenn wir erst ins Ratschlagen kommen, was wird das für
Staubwolken geben. -
                          Wer nit bet, kann nit denken,
das lass ich auf eine erdne Schüssel malen, und da essen unsre Jünger Suppe
draus. - Oder wir könnten auch auf die andre Schüssel malen: Wer nit denkt,
lernt nit beten. Der Jud kommt, ich muss ihm eilig unsere Weltumwälzung in den
Sack schieben, auch wir werden einst sagen können, was doch Gott für wunderbare
Werkzeuge zum Mittel seiner Zwecke macht, wie die alt Nonn in Fritzlar. Siehst
Du den St. Klair? - Grüß ihn.
 
                                 An die Bettine
Oder am besten können wir sagen: Denken ist Beten, damit ist gleich was Gutes
ausgerichtet, wir gewinnen Zeit, das Denken mit dem Beten, und das Beten mit dem
Denken. Du willst ungereimtes Zeug vorbringen, Du bist ungeheuer listig und
meinst, ich soll es reimen. Deine Projekte sind immer ungemein waghalsig, wie
eines Seiltänzers,
