 Menschen Weisheit zumuten und sie ihm als den einfachen Weg der Natur
vorschreiben, aber das Verleugnen eines großen mächtigen Weltsinnes in uns ist
immer Folge unseres Sittenlebens mit andern, das hängt sich einem an, dass man
keinen freien Atemzug mehr tun kann, nicht groß denken, nicht groß fühlen aus
lauter Höflichkeit und Sittlichkeit. Groß handeln, das dank einem der Teufel,
das müsste von selbst geschehen, wenn alles natürlich im Leben zuging. Es ist
eine Schande, was die Menschen alles mit dem Namen Großmut belegen, als ob nicht
ein rasches selbsttätiges Leben immer das als elektrisches Feuer ausströmen
müsse, was man große Handlung nennt. -
    Das mühselige Menschengeschlecht plappert wie die Elstern, es versteht nicht
das Stöhnen der Liebe, das muss ich sagen, weil die Nachtigallen so süß stöhnen
über mir. Vier Nachtigallen sind's, auch im vorigen Jahr waren's vier. Ja,
lieben werd ich wohl nie, ich müsst mich vor den Nachtigallen schämen, dass ich's
nicht könnt wie die. - Wie hauchen sie doch ihre Seel in die Kunst der Wollust,
in die Musik - und in einen Ton hinein, so rein, so unschuldig - so wahr und
tief - was keine Menschenseele weder durch die Stimme noch durch das Instrument
hervorbringen kann. Warum doch der Mensch erst singen lernen muss, während die
Nachtigall es so rein, so ganz ohne Fehl versteht, tief ins Herz zu singen, ich
hab noch gar keinen Gesang gehört von Menschen, der mich so berührt wie die
Nachtigall - eben dacht ich, weil ich ihnen so tief zuhör, ob sie mir wohl auch
zuhören wollten, wie sie eine Pause machten, kaum heb ich die Stimm, da
schmettern sie alle vier zusammen los, als wollten sie sagen, lasse uns unser
Reich. Arien, Operngesänge sind wie lauter falsche Tendenzen der sittlichen
Welt, es ist die Deklamation einer falschen Begeisterung. Doch ist der Mensch
hingerissen von erhabner Musik, warum nur, wenn er nicht selbst erhaben ist? -
Ja, es ist doch ein geheimer Wille in der Seele groß zu sein. Das erquickt wie
Tau, den eignen Genius die Ursprache führen zu hören, - nicht wahr? - O wir
möchten auch so sein wie diese Töne, die rasch ihrem Ziele zuschreiten, ohne zu
wanken. Da umfassen sie die Fülle, und dann, in jedem Rhythmus ein tief
Geheimnis innerlicher Gestaltung, aber der Mensch nicht. Gewiss, Melodien sind
gottgeschaffne Wesen, die in sich fortleben, jeder Gedanke aus der Seele hervor
lebendig, der Mensch erzeugt die Gedanken nicht, sie erzeugen den Menschen. -
Ach! Ach! Ach! - Da fällt mir ein Lindenblütchen auf die Nas - und da regnet
