 zu sein, den ein Gott bildend mit Füßen tritt, und was ich in Dir gewahr
werde, ist das gärende Feuer, was seine übersinnliche Berührung stark in Dich
einknetet. Lassen wir Dich also jenem über, der Dich bereitet, wird Dich auch
bilden. - Ich muss mich selber bilden und machen so gut ich's kann. Das kleine
Gedicht, was ich hier für Klemens sende, hab ich mit innerlichem Schauen
gemacht, es gibt eine Wahrheit der Dichtung, an die hab ich bisher geglaubt.
Diese irdische Welt, die uns verdrießlich ist, von uns zu stoßen wie den alten
Sauerteig, in ein neues Leben aufzustreben, in dem die Seele ihre höheren
Eigenschaften nicht mehr verleugnen darf, dazu hielt ich die Poesie geeignet;
denn liebliche Begebenheiten, reinere Anschauungen vom Alltagsleben scheiden,
das ist nicht ihr letztes Ziel; wir bedürfen der Form, unsere sinnliche Natur
einem gewaltigen Organismus zuzubilden, eine Harmonie zu begründen, in der der
Geist ungehindert einst ein höheres Tatenleben führt, wozu er jetzt nur
gleichsam gelockt wird durch Poesie, denn schöne und große Taten sind auch
Poesie, und Offenbarung ist auch Poesie, ich fühle und bekenne alles mit Dir,
was Du dem Ebel auf der Spazierfahrt entgegnetest, und ich begreife es in Dir
als Dein notwendigstes Element, weil ich Deine Strömungen kenne und oft von
ihnen mitgerissen bin worden, und noch täglich empfinde ich Deinen gewaltigen
Wellenschlag. Du bist die wilde Brandung, und ich bin kein guter Steuermann,
glücklich durchzuschiffen, ich will Dich gern schirmen gegen die Forderungen und
ewigen Versuche des Klemens, aber wenn auch in der Mitte meines Herzens das
feste Vertrauen zu Dir und Deinen guten Sternen innewohnt, so zittert und erbebt
doch alles rings umher furchtsam in mir vor Menschensatzung und Ordnung
bestehender Dinge, und noch mehr erbebe ich vor Deiner eignen Natur. Ja, schelte
mich nur, aber Dir mein Bekenntnis unverhohlen zu machen: mein einziger Gedanke
ist, wo wird das hinführen? - Du lachst mich aus, und kannst es auch, weil eine
elektrische Kraft Dich so durchdringt, dass Du im Feuer ohne Rauch keine Ahnung
vom Ersticken hast. - Aber ich habe nichts, was mich von jenem lebenerdrückenden
Vorläufer des Feuers rette, ich fühle mich ohnmächtig in meinem Willen, so wie
Du ihn anregst, obschon ich empfinde, dass Deine Natur so und nicht anders sein
dürfte, denn sonst wär sie gar nicht, denn Du bist nur bloß das, was außer den
Grenzen, dem Gewöhnlichen unsichtbar, unerreichbar ist; sonst bist Du unwahr,
nicht Du selber, und kannst nur mit Ironie durchs Leben gehen. Manchmal deucht
mir zu träumen, wenn ich Dich unter den andern sehe, alle halten Dich für ein
Kind
