 Buchenwalde, der die Vorhalle dieses
zauberischen Aufenthalts ausmachte. -
    Gegenüber diesem Fenster lag der kollossale Kamin von schwarzem Marmor, und
in der Mitte des Zimmers stand ein eichener Tisch, mit großen geschnittenen
eichenen Sesseln umgeben, unter denen ein Teppich von feiner Stickerei
ausgebreitet war. Eben so zeigten die Kissen der Stühle in purpurrotem Grunde
Stickereien. Büchergestelle und Schreibtische in ähnlicher Art nahmen den
hinteren Teil des Zimmers ein, und sorgsam gepflegte Gewächse fingen an den
Seiten des Mittelfensters die Sonnenstrahlen auf.
    Es war unmöglich, dies Zimmer zu betreten, ohne nicht das Element einer
höheren, edleren Existenz zu ahnen, das die Bewohner mit ihren Beschäftigungen
gelehrt hatte, den Raum mit seiner abweichenden Ausschmückung sich zum Bedürfnis
anzueignen.
    Unsern jungen, unzufriedenen, gequälten Freund wandelte ein Gefühl an von
Schüchternheit und Rührung; er blickte zu den beiden herrlichen Gestalten, die
diesen Raum vertraut beherrschten, mit einer Ehrfurcht empor, als bewahrten sie
das Geheimnis des Lebens, nach dem seine krankhafte Seele seufzend und
vergeblich umher gesehen.
    So kam es, dass der junge vornehme Graf Crecy, der seine ganze Schüchternheit
hoffen konnte, an den verschiedensten Höfen Europas zurück gelassen zu haben,
sie hier vor zwei Menschen wieder fand, die ohne Rang und Reichtum, von der
Welt vergessen, nicht viel anders denn Einsiedler, nur ein stilles Naturleben zu
führen schienen.
    Er hatte nicht Zeit, sich zu fragen, woher ihm dieser Eindruck kam;
fortgerissen, fühlte er ein Entzücken, ein Verlangen, sich hinzugeben und
anzuschließen, das nur gemässigt ward eben durch das Gefühl von Schüchternheit,
womit er sich sagte: sie haben keinen Andern nötig zu ihrer herrlichen
Existenz, Jeder ist ihnen' überflüssig oder störend, Jeder, der diese Schwelle
überschreitet, muss sich für einen Bettler halten, der da harret, ob sie von
ihrem Reichtum ihm mitteilen wollen.
    Wenig lag so hoher Anspruch in dem Verhalten von Vater und Tochter, und
gewiss war es, sie ahneten nicht, ihn bei Andern für sich hervorgerufen zu haben,
obwohl sie ein edles Selbstgefühl hatten, ein Bewusstsein und Vertrauen zu ihrer
Gesinnung.
    Der Vater hatte die Tochter erzogen, indem er mit ihr lebte, und seine edle,
sanfte und hingebende Natur die Atmosphäre bildete, in der sie sich von Jugend
auf gerade und gesund aufrichten konnte, das schöne Haupt nach oben gewendet.
Die Welt lag wie eine bunte Fabel hinter dem grünen Walde, dessen Ende sie nie
fand. Was darin vorging, las sie aus großen Geschichtsbüchern, und glaubte
davon, was sie konnte, und behielt auch nur das - denn die Geheimnisse der Natur
begreifen wir auf jedem Isolirpunkte der Erde, die Geheimnisse des Lebens erst,
wenn wir sie an uns selbst erfahren.
    Vor den kleinen
