 für ihn im Voraus gefassten Beschlüsse mit
Plänen zusammen hingen, die dem Ehrgeize Befriedigung sicherten und daher in
ihrer Überzeugung für sein Glück vollkommen ausreichend sein mussten.
    Seine Geistesfähigkeiten waren angebaut. Die Marschallin wusste wohl, dass man
an dem Hofe Ludwigs des Vierzehnten nicht ohne Kenntnisse und Talente sich
behaupten konnte. Es fehlte ihr auch nicht an Scharfblick, den geeigneten Lehrer
zu finden, und der Abbate Mafei war vollständig ausgerüstet, diesem einfachen
Geiste Kenntnisse in dem Maße angedeihen zu lassen, als sie dem Verlangen des
Jünglings selbst Bedürfnis wurden, ohne ihm das aufzunötigen, was ihn mit
unnützer Gelehrsamkeit bedrohte, zu der ihm der rasch verarbeitende Geist von
der Natur versagt war.
    Als das unerwartete Machtwort des Marschalls von Crecy seinem Sohne die
militairische Laufbahn abschnitt, sah seine Gemahlin für ihn keinen andern
möglichen Platz, Ansehen und Einfluss zu erreichen, als eines der hohen Hofämter,
zu denen alte und berühmte Namen eine mitwirkende Notwendigkeit waren, wenn
auch der sich verfeinernde Hof und des Königs gebildeter Geschmack damit noch
anderseitige Liebenswürdigkeiten vereinigt wissen wollte. -
    Es erwachte in jener Zeit eben die später so überhand genommene Neigung zu
reisen. - Fremde Höfe gesehen zu haben, von dem Leben anderer Länder
Rechenschaft geben zu können, verbreitete über die Personen, die sich also
auszuzeichnen vermochten, einen Reiz, den man ihnen als ein Verdienst, als eine
Staffel der Bildung anrechnete, wohinter oft sehr geringe Fähigkeiten Schutz
fanden. Die Marschallin war daher entschlossen, ihrem Sohne statt der Trophäen
des Ruhmes, die ihm nun entzogen waren, den friedlichen Zauber einer glänzenden
Reise zu erteilen, und ihn durch ein ehrenvolles Auftreten an fremden Höfen für
einen dereinstigen hohen Platz an dem französischen Hofe unwiderleglich
vorzubereiten. Der Abbate Mafei und ein reiches Gefolge, wie es den
Geburtsansprüchen des Jünglings geziemte, ward zu seiner Begleitung mit Verstand
und zweckmässiger Wahl ersehn, und beide Eltern, obwohl sie sich schwer von dem
Lieblinge trennten, der wie eine leichte Wolke die Ehegatten vor einander
verhüllte und ihre unsanfte Berührung hinderte, fügten sich der Notwendigkeit,
die zufällig Beide zugleich anerkannten.
    Es liegt nicht in unserem Plane, den jungen Grafen von Crecy auf einer
Bildungsreise mit ihren mannigfachen Zufälligkeiten an Freud' und Leid zu
begleiten. Sie erstreckte sich auf alle Länder, welche damals im Frieden mit
Frankreich waren, und bei der wenigen Vorbereitung, die Reisende noch auf ihren
Wegen fanden, war sie reicher an Abenteuern, als wir jetzt für möglich halten
möchten. Sie wurden jedoch Alle glücklich bestanden, und der Abbate Mafei durfte
der stolzen Mutter die schmeichelhaftesten Berichte über die Entwickelung seines
Zöglings senden, ohne die Wahrheit zu verletzen. Die Gewandtheit, die in der
größeren Freiheit, in der notwendigen Auffassung der verschiedenartigsten
Verhältnisse sich von selbst entwickelt, vollendete
