 - »und ist die Not groß, so komme ich und hole Euch!« Damit trabte er
sogleich auf seinem ruhigen Passgänger den Baumgang entlang.
    Veronika schmiegte sich mit dem wehmütigsten Gesichte an ihren jungen Gast,
und teilte ihr zögernd und fast beschämt ihre Furcht mit für das, was ihr
vielleicht bevorstehe: »Gott wird Dir zwar gewiss die Kraft geben, die Du nötig
hast; aber, mein Kind, es sind viele Geheimnisse in der Natur - Gott muss Deinen
Geist vor Schrecken bewahren, und Dein frommes Gebet Dir beistehen - dazu gebe
er Dir seinen Segen!« fuhr sie fort, die Hände andächtig faltend und in frommer
Andacht verstummend.
    Ein Gewitter zog herauf. Schwer und mit der schwülen Stille, die sich in die
Pulse der Menschen einschleicht, schien die ganze Natur unter dem gewaltigen
Drucke der Atmosphäre zu seufzen. Angstvoll die Luft durchschneidend, suchten
nur noch einzelne Vögel in der niedrigsten Luftschicht bei den Ahnungen einer
nahenden Gefahr in irgend einer Baumhöhlung oder in den Spalten eines Mauerwerks
sich zu bergen. Das frische Grün des Laubes, der mannigfache Farbenglanz der
ganzen Vegetation, die Gesichter der Menschen selbst, erbleichten in dem fahlen
Lichte des schwefelfarbig bedeckten Himmels.
    Man hoffte auf den Augenblick, der in seiner heftigen Entwickelung einen
leichteren Stand der Dinge herstellen sollte, und zitterte doch für eine nie
verbürgte gewaltige Naturerscheinung.
    Beide Frauen fühlten doppelt das Drückende dieses Zustandes, da in ihrem
Innern sich eine Erwartung von Dingen hinzugesellte, deren Ausgang bei ihren
düsteren Anzeichen nicht minder unverbürgt war.
    »Wäre nur der Vikar zurück,« sagte leise Veronika, »er würde uns sicher das
Rechte raten, und sein Zuspruch würde Euch stärken und aufrichten!«
    »Fürchtet nicht für mich,« erwiderte Elmerice - »bekomme ich die
Aufforderung dahin, so gehe ich getrost - so schwach Ihr mich gesehen - es kommt
mir der Mut, wo es gilt - ich erprobte es schon einige Mal.«
    »Ach!« rief Veronika zusammenschreckend, denn eben erhob sich in einzelnen
Stößen der Sturm, und wehte zugleich die feuerfarbenen Bänder von dem schwarzen
Mützchen, das Asta zu tragen pflegte, in die noch geöffnete Haustür.
    Sogleich stand Elmerice auf - das Kind flog ihr mit einem neuen Sturmstoss in
die Arme. »Soll ich kommen?« rief Elmerice und bezwang das leise Beben, das sie
mit dem Gefühle einer großen wichtigen Begebenheit erfasste, welche ihr nahe
trat.
    »Ja, Madame,« stammelte Asta - »Ihr sollt! Aber wie werdet Ihr durch das
Unwetter kommen? Ach, es ist fürchterlich da draußen!«
    »Gott wird es uns zeigen, Asta,« sagte Elmerice ruhig; »ich hole meinen
Mantel und auch für Dich ein
