 irgend ein fortnagendes
Gefühl Euch diesen Stempel mutloser Traurigkeit aufgedrückt hatten. - Es wirkt
wohl, denke ich, Beides in Euch!« fuhr er fort, da Elmerice ihren Kopf senkte
und einzelne Tränen in ihren Schoss fielen, »und aus diesen gesteigerten
Empfindungen entsteht eine willige und harte Selbstanklage, wie Ihr sie eben
gegen Veronika aussprachet. Nicht Vorwürfe will ich Euch machen, denn meine
lange Erfahrung hat mich gelehrt, dass die, welche geistige Hilfe geben sollen,
sich sehr bedenken müssen, ein Gemüt zu zerknirschen. Der Tadel, den wir zu dem
vorhandenen aufgeregten Zustande hinzufügen, kann das Entgegengesetzte bewirken.
Ist das Gemüt sanft und zart, wird es in ihm die Furcht erregen, dass es sich
nie wieder mit Gott versöhnen könne - und nicht oft genug kann ich wiederholten,
dies für die gefährlichste Furcht zu halten, da sie in Wahrheit gottlos wird. -
Ist aber das Gemüt stolz und hart, wird es wieder unsere Pflicht sein, ihm
seine Fehler leicht zu machen, das heißt, sie ihm zu erklären, ihr Entstehen
betrachtend mit ihm durchgehen, dasselbe nicht mit dem scharfen Worte, wovor die
ungewohnte Seele erschrecken würde, auf Gott zu verweisen, aber es zu leiten,
dass es ihn selbst endlich entdecke, dass er aus ihm hervorträte, selbst geboren
durch den freieren Zustand der Seele. Blinder Eifer verfehlt immer das Ziel -
und wehe, wehe, wenn wir erst dem eitlen Verstande gelehrt haben, durch Streit
und Widerstreit den schwachen Punkt des kranken Innern zu verteidigen! - Lange
bleibt ein so durch unsere Schuld gereiztes Wesen wohlgefällig verschanzt hinter
diesem dürftigen Bollwerke seiner Eitelkeit und glaubt, der Feind, von dem es
sich immer tiefer verwundet fühlt, komme von ganz anderer Seite her. Bitter und
krankhaft, kleinlich und schwach hängen sich solche Geister oft an die äußere
Gestaltung des Lebens, und sie verlieren zuletzt ganz die Krast der Seele, die
nötig wäre, ihr schwächliches Treiben zu durchschauen und das Unzureichende
ihrer Schlüsse zu erkennen. - In dieser Überzeugung beruht auch meine Ansicht
über die unglückliche Mistress Gray, die durch ihre ganze Lebensweise so viel
Furcht und Schrecken erregt. - Dass sie Herbes erlitten, ohne den Zusammenhang
mit Gott finden zu können, da ihre Seele schwach und hochmütig zugleich war,
ist mir, der ich zu lange hier bin, um nicht Manches von ihrem Schicksale zu
wissen, sehr klar geworden - dass sie eigentlich böse sei, wie mindestens ihr
zuerkannt wird, widerlegt ihr Vertrauen zu Kindern, die Liebe derselben zu ihr,
und dass ich die, die sie auswählte und um sich behielt, zu den besten Kindern,
Mädchen und Frauen meines Kirchspiels rechnen muss, obwohl es mir schwer werden
würde, dies anders zu erklären
