 versunken sei, für Keinen mehr Wert haben werde! Sie
schauderte bei dem Gedanken, diese stille Welt, in der sie so viel Anklang für
ihr leidendes Herz gefunden hatte, vielleicht bald verlassen zu müssen,
unberechtigt - wie sie Allen erscheinen musste - hier um eine Stelle für ihr Grab
zu bitten. Genug, sie gestaltete in sich das ganze Martyrium der Jugend, die, in
den Wünschen des Herzens gekränkt und getäuscht, immer ein vollständiges Unglück
in sich zu schaffen sucht, um vom Leben Abschied nehmen zu können und sich
berechtigt halten zu dürfen, alle Güter der Erde farblos, ohne Reiz, ohne Wert
zu finden. - Wer das schöne, blasse Gesicht der jugendlichen Elmerice beobachten
konnte, wie es so ermattet gegen die Lehne des Stuhles gesunken war, der musste,
mit nur einiger Welterfahrung - erkennen, dass sie das Opfer des bezeichneten
Zustandes zu werden drohte; und wir können das Gefühl der edelen Gräfin d'Aubaine
begreifen, mit dem sie, leise hereingetreten und seitwärts stehen bleibend,
ihren Liebling betrachtete.
    Sie kannte und hatte es erfahren, was sie in Elmerice's Zügen las! Wie
hoffnungslos ihr Schicksal in dieser Beziehung sein werde, hatten ihr Lord
Duncan's Mitteilungen über Lord Astolf bestätigt, und sie fühlte das tiefe,
mütterliche Mitleiden, was nach Hilfe aussieht und mit dem Geiste der Erfahrung
die Mittel ergreift, die der Zeit in die Hände arbeiten, welche keine Wunde
unvernarbt lässt und die allerheissesten Schmerzen, von der ersten Stunde an,
schon ihrem Ausgleichungsgeschäfte verfallen erklärt und sie mit ihren leisen
Pendelschwingungen endlich in ewige Ruhe wiegt. - »Nein, nein,« sagte sie zu
sich selbst; - »Du bist zu etwas Besserem bestimmt; - nicht daran darfst Du zu
Grunde gehen! Du musst Dir selbst die Würdigkeit zu einem neuen Leben zuerkennen
lernen; diesen edelen Stolz bist Du berechtigt, in Dir zu entwickeln.« - Mit
diesem tugendhaften Mut trat sie näher, und Elmerice fühlte eine leichte,
sanfte Hand auf ihrer Schulter. Ach, mit welcher Erschütterung blickte sie in
die edelen Züge der teuren Frau, die von einer hingebenden Zärtlichkeit belebt
waren, die Alles verhieß, was ein leidendes Herz bedarf!
    »O, Gräfin d'Aubaine,« sprach Elmerice - und lag, hingerissen von ihrem
Anblicke, in demselben Augenblicke zu ihren Füßen; - »Sie finden ein armes,
trostloses, undankbares Wesen wieder, das Ihre Liebe vergaß und sie deshalb nie
verdiente!«
    »Das glaube ich nicht, mein süßes Herzenskind,« sagte die Gräfin sanft und
zog sie an ihre Brust. - »Dein Gefühl lag nur verdeckt von den wunderlichen
Eindrücken, denen Du hier unterworfen warst. Du hast, ohne
