 mit einem unverkennbaren Anfluge von Stolz -
»vielleicht würden Sie mir selbst raten, so zu handeln, wenn es mir erlaubt
wäre, Ihnen die Gründe auszusprechen, die mich dazu bestimmen. Emmy Gray hat
keinen Einfluss auf meine Abneigung, mich dieser Familie anzuschließen; und der
Wert derselben, von dem ich selbst überzeugt bin, vermag eben so wenig meinen
Entschluss zu ändern. - Meine Achtung für Sie und Ihre Teilnahme kann es allein
entschuldigen, dass ich so Viel sage; nehmen Sie es jedoch wie ein Geheimnis
zwischen uns!«
    Veronika blickte wehmütig in die wunderschönen Züge des tief bewegten
Mädchens. Sie hatte sie noch nie so gesehen; aber es lag eine solche Wahrheit
der Empfindung, ein so fester Entschluss, ein so edles Selbstgefühl in ihrem
Wesen, dass Veronika sich überzeugt fühlte, sie müsse so handeln; - und
großmütig gab sie ihre Absicht auf, den Vorsatz des jungen, verlassenen
Mädchens zu erschüttern.
    »So gebe Gott, dass es das Rechte ist!« sagte sie liebevoll; - »ich will mir
nicht anmassen, ferner darüber urteilen zu wollen. Gehen Sie, mein Kind -
schreiben Sie Ihren Brief an Madame d'Anville, ich werde Sie hier erwarten.« -
    Als sich Elmerice vor Fennimor's kleinem Schreibtische niedersetzte,
forderten die zurückgedrängten Empfindungen des jungen Mädchens ihren Tribut. In
Tränen ausbrechend, fühlte sie noch ein Mal die namenlose Größe ihres
Entschlusses; und die heißesten Schmerzen der Jugend - die eines gekränkten und
verratenen Herzens - waren hier in der Einsamkeit nicht in demselben Maße, wie
eben vor Veronika, von ihrem edelen weiblichen Stolze behütet; - sie verlangten
noch ein Mal ihre ganze Herrschaft über dies junge Herz! -
    Wir wollen die Minuten nicht zählen, die ihr so vergingen, und denken, dass
sie sich schnell genug zu retten wusste, da sie, gegen sich selbst treu und wahr,
immer von dem edelen Stolze beseelt ward, dessen Element die Selbstachtung ist.
    »Fennimor,« sagte sie, sich aufrichtend - »Dich konnte in Deiner hohen,
menschlichen Stellung Keiner erreichen, der mit dem Scheine der weltlichen
Vorrechte Dich blenden und verschüchtern wollte. Du bliebest, was Du warst - ein
erhabenes Vorbild Deiner standhaft behaupteten Rechte! Ich bin Deine Enkelin,
und so wahr mir Gott helfe, ich will vor Deinem Andenken nicht erröten müssen!«
    Sogleich schrieb sie:
    »Euer Gnaden haben, veranlasst durch die Aufforderung der Gräfin d'Aubaine,
mich mit der Erlaubnis beehrt, Ihnen aufwarten zu dürfen. Indem ich dem
Ausdrucke meiner größten Verehrung für Euer Gnaden, die Versicherung meiner
Dankbarkeit hinzufüge, bin ich zu gleicher Zeit genötigt, diese Auszeichnung
ablehnen zu müssen, da meine augenblicklichen Verhältnisse mir jede Veränderung
