, dass Ihr Ruf
darunter nicht leiden soll! Ich weiß, dass Mademoiselle de la Beaume ein edles,
gütiges Wesen ist; ich eile morgen, ehe wir uns versammeln, zu ihr, und entdecke
ihr unser wahres Verhältnis.«
    »Nein, nein,« rief Margot weinend - »um Gotteswillen nicht! Ehe mein Vater
Alles weiß - ehe er einwilligt und mir vergibt, darf Niemand darum wissen.« -
    »Nun, so müssen wir das ungerechte Misstrauen eine kurze Zeit tragen! - Jetzt
zum Hauptzwecke meiner kühnen Tat! Ihr Bruder ist von seiner Wunde fast
genesen; an ihn, wie an Ihren Vater habe ich geschrieben, und von Ersterem
gestern eine völlig genügende Antwort erhalten; er selbst ist auf dem Wege nach
Montreal, um Ihrem Vater die Ursache des Duelles selbst zu erzählen und der
Wahrheit nach die Schuld des ganzen Vorfalles auf sich zu nehmen; - dann, hoffe
ich, werden meine Gründe Eingang finden und dann« - -
    »Gehen Sie, Leonce,« rief Margot ängstlich, die Hände vorsteckend; denn sie
schien seine schnellen Manieren zu fürchten - »ich höre Ihnen schon viel zu
lange zu.«
    »Aber,« sagte er neckend - »Sie haben nun doch gerade so lange zugehört, um
Alles zu erfahren, was Sie selbst gern wissen wollten. Adio, Mühmchen, jetzt
hoffe ich, trocknen Sie Ihre Tränen und träumen von Ihrem Vetter - oder« -
    »Fort, fort! Kein Wort mehr!« rief Margot, sprang in ihr Zimmer hinein und
schloss, da Leonce im Nu verschwunden war, vorsichtig die Fensterflügel. -
    Wer zur Sommerzeit auf dem Lande, in einem Kreise liebenswürdiger Menschen,
begünstigt von äußeren Annehmlichkeiten, eine kurze Zeit zubrachte, wird wissen,
dass Jahre in der Stadt, mit denselben Menschen verlebt, nicht so zu nähern
vermögen, als einige solcher ländlichen Wochen.
    Es war, als ob von Allen sich die Hemmungen ablösten, die sich nach und nach
in den geselligen Zuständen der Stadt ankünsteln. Der Schlepprock und der Fächer
wich dem bequemen Kleide, welches der Promenade, dem Fahren und Reiten und auch
dem vorkommenden leichten Sprunge, oder dem geschickten Rennen günstiger war,
und der Sonnenhut ersetzte den Fächer, um die Hand frei zu lassen für die
kleinen Spiele des Federballes oder der seidenen Reifenschnur. - Die Herren
hatten keine Uniformen, keine Orden mehr; der leichte seidene Rock zeigte nur
bei Tafel Stickerei und den stählernen Galanteriedegen.
    Und wie diese äußeren Pallisaden nach und nach verschwanden, so trat auch
Geist und Gefühl ohne Reifrock in natürlicherer Grazie hervor - und die
glückliche Mischung der Gesellschaft gab ein ungemein angenehmes Zusammensein.
    Dennoch fühlten Margot und Leonce mitunter den scharfen Blick von
Mademoiselle
