 Du sagst! - Sieh' sie an - sieh' sie an! Sag', ist nicht das Vermächtnis
ihrer Ansprüche in jedem Gliede ihres Körpers ausgedrückt? Höre ihre Stimme,
Alter! Ruft sie Dir nicht mit Fennimor's Tone zu, ihre Enkelin anzuerkennen? Ja,
ja, nenne mich wahnsinnig - aber sage auch - wenn Wahnsinn erlaubt ist - so ist
es hier!«
    »Du hast Recht, armes Weib,« sagte der erweichte Arzt: »ehe Du sie sahst,
hatte ich schon gedacht, was Dich jetzt so verwirrt. Aber was hilft Dir und ihr
die traurige Entdeckung, da ihre Ansprüche auf immer verloren gingen, und Du und
ich mit allen Gefühlen für die unglücklichen Opfer, die ich mit Dir betrauern
werde, so lange ich lebe, doch den Bann nicht aufheben können, der sie vor den
Augen der Welt ihrer Rechte beraubte. Unglückliche,« sagte er und zog sie näher,
ihr leise zuflüsternd: »vergiss nicht, dass Fennimor's Sohn, als Mörder, aller
bürgerlichen Rechte auf Frankreichs Boden für sich und seine Nachkommen beraubt
ward, und ihm kein Erbe zuerkannt werden darf.«
    Die Alte taumelte bei diesen Worten, die sie aufs neue dem hoffnungslosesten
Elende preisgaben, fast zur Erde. Der Arzt führte sie zu einem Stuhl, und
sogleich kam der Gegenstand ihrer schmerzlichen Unterredung zu seinem Beistande
herbei, und vor ihr niederknieend und ihre kalten Hände erwärmend, sie mit
rührenden Blicken ansehend, redete Elmerice leise zu der trostlos zu ihr
niederschauenden Emmy.
    »Bleib' dennoch bei mir, mein Kind - meiner Fennimor lebendiges Ebenbild!«
stammelte sie endlich mühsam. »Wir wollen Alles - Alles besprechen. Alles -
Alles sollst Du mir sagen - und hier - hier sollst Du sein, was Du wirklich
bist. Hier reicht der Schwefeldunst der Welt nicht hin, und die Gräuel der
Menschen sollen Dich hier nicht erreichen. - Sag', dass Du willst, und ich will
Alles vergessen - Nichts denken, als dass Fennimor's Hände mir die Augen
zudrücken und dann das reiche Erbe, das ich hier gesammelt, in Empfang nehmen
werden.«
    Der alte Arzt nickte Elmerice zu, ihr zu gewähren, und diese konnte aus
voller Seele einwilligen; denn mit Zauberbanden fühlte sie sich hier gefesselt,
und die Welt schien auf dieser Stelle alle Rechte an sie zu verlieren.
    Dies goss Frieden in Emmy's schwer getroffenes Herz; und die kräftige Weise,
wie sie sich nun erhob und den Arzt mit sich fort in ihr eigenes Zimmer rief,
war ihm eine merkwürdige, fast ärgerliche Wahrnehmung, wie der Geist des
Menschen über die Beschwerden des Körpers zu siegen vermag, und ärztliche
Ansichten, ihre
