 die Stimmung kommen, die sie erwartete.
    »Setze Dich,« sagte sie gebietend - »wir haben noch Viel vor uns - Viel -
Viel musst Du hören - mit vollen, klaren Sinnen hören und wohl bewahren in Deinem
Gedächtnisse, damit Du den Teufelskünsten stehen kannst, die Dir entgegen treten
werden.«
    Schaudernd folgte Reginald ihrem Gebote. Der jähe Zustand, den das bis jetzt
Erfahrene in ihm erregt, ließ ihn keine Richtung festhalten; er beschloss, das,
was er hören müsste, streng zu prüfen. Einer Unwahrheit beschuldigte seine
fürchtende Seele die alte, gebietende Frau nicht; aber er dachte an eine
Entstellung durch ihre leidenschaftliche Stimmung. O, wie schön und warm belebte
ihn das jugendliche Verlangen, zu versöhnen und zu entschuldigen!
    Wir wissen, was ihm von Emmy Gray mitgeteilt werden konnte; und indem wir
hinzusetzen, dass sie Nichts verschwieg, Nicht mit ihrem gegenwärtigen Verstande
versäumte, was die Dinge zur anschaulichen Tatsache erhob, werden wir begreifen
können, wie Reginald sich zuletzt um alle seine frommen Hoffnungen betrogen
fand. Immer bleicher und bleicher werdend, starrte er die rächende Frau vor sich
an, in deren harten Zügen kein Hauch von Schonung oder Mitleiden neben der
zornigen Anklage Raum fand. Das frühe Alter hatte ihr Antlitz gefurcht, ihre
Gestalt gebeugt; sie trug schwere, steife Trauerkleider, und ihre Bewegungen
waren durch die Wichtigkeit der Gedanken, die sie erfüllten, tragisch und edel.
Eine solche Persönlichkeit unterstützte, ohne dass er darüber zum Bewusstsein kam,
was sie sagte. Reginald fühlte die Macht der Wahrheit; er hörte bloß noch, und
nahm auf, was sie ihm gab, er urteilte nicht mehr darüber. Auch sagte sie nur
die Wahrheit - sie war inhaltsschwer genug! - Als sie geendet, wurzelte ihr
durchdringendes Auge auf Reginald. Er sprang auf und rief, die Hände zum Himmel
streckend: »Mutter, Mutter, ich will Dein Sohn sein vor Gott und Menschen! O,
sieh' herab; denn ich bin damit dem Unglücke geweiht!«
    »Das Grab meiner Mutter will ich sehen!« rief er dann hastig, zu Emmy
gewendet - »Ste. Roche will ich sehen! - Großer Gott, diesen Namen trage ich!«
Er verstummte; - dann fuhr er wieder auf: »Doch Ludwig bleibt mein Bruder - mein
unschuldiger Bruder! Ha, Emmy, den werde ich schützen und retten, der soll nicht
entehrt und dem Auge der Welt zum Hohn werden - hörst Du, Emmy? Meine Mutter,«
rief er die Hände zum Himmel hebend - »ich will den Bruder schützen und die
damit ehren, die Deinen Sohn geschützt und geliebt hat! Emmy,« fuhr er fort -
»morgen
