 umsichtig, der Sache förderlich zeigen, können wir einen
Schatz von Wohltaten entwickeln. Und so reich und schön dies ist, wie in
einander greifend ist es zugleich! Welche Einheit liegt in unserer Bestimmung -
wie ist sie stets geschützt und eine gewisse, unzerstörbare Heiligkeit an den
Heerd gefesselt, die noch jetzt an die Sitte unserer rohen Urväter mahnt, die
selbst den Feind am Heerde unberührt ließ - die Stelle nicht zu beflecken!« -
    »O meine Freundin,« unterbrach sie Viktorine - »ich fürchte, wir haben uns
in unseren sogenannten höheren Ständen sehr weit von dem heiligen Heerde
entfernt, dessen Urbestimmung sich uns wahrhaft offenbaren konnte; und
vielleicht erlahmt dadurch auch die Ehrfurcht davor in der Brust der Männer, und
wir verlieren damit nach gerade alle unsere Stellung!«
    »Ich möchte Ihnen nicht unbedingt Recht geben, Viktorine. Es bleibt
allerdings nicht dasselbe, wie überhaupt Verschiedenheit in den Verhältnissen
zur Weltordnung gehört. Aber Verschiedenheit - Abweichungen heben den
Grundgedanken nicht auf. Sei der Zustand noch so verändert, wir werden uns immer
zurecht finden, wenn wir den Hauptgedanken festhalten: dass wir durch Alles, was
in uns liegt, berufen sind, einen würdigen Hausstand zu erhalten, den
Verhältnissen gemäß, in die uns Gott geführt - und wie Viel wir von der
patriarchalischen Uridee beibehalten oder aufgeben müssen, sie muss immer zu
erkennen sein.«
    »Und warum sollte es denn den Männern so viel höher angerechnet werden, was
sie in ihrer Pflichterfüllung leisten? Warum ist denn ihr Beruf so viel schwerer
- warum haben sie ein höheres Anrecht auf unsere Nachsicht?« rief Viktorine, mit
weiblichem Zürnen in Blick und Ton.
    Die Marquise lächelte, ohne Viktorine anzublicken. »Ich gestehe Ihnen
zuvörderst, dass ich nicht sehr viele Teilnehmerinnen meiner Meinung unter Ihrem
Geschlechte habe. Es ist auffallend, wie lange uns eine platt getretene Idee,
die einen augenblicklichen Glanz hat, zu Kombinationen verführen kann, die, an
sich falsch, doch Irrtümer auferziehen, deren wahrer Beschaffenheit wir gar
nicht mehr nachfragen. Wir Frauen werden bei dem Gedanken erhalten, dass die
Männer ein großes Vorrecht vor uns haben, weil sie sich sehr Viel mehr erlauben
dürfen, als wir; und wir haben dieses unbezweifelte Recht mit dem Worte:
Freiheit, profanirt. Was können wir denn in Wahrheit Freiheit nennen, wenn nicht
die Entwickelung der Seele und des Karakters, die uns die Zustände beherrschen
lässt, uns von Ihnen unabhängig macht, ihnen einen höheren Willen entgegen
stellt. Es ist der einzige Begriff, der diese Idee aus dem Zustande relativer
Willkür in eine feste, dann unangreifbare Stellung bringt, und das Vorrecht der
Männer hat damit so wenig Zusammenhang, dass ich es gerade ihnen hinderlich
erachten muss. Und
