,« stammelte Leonin erbleichend - »frei!« rief er noch ein Mal; und
schon fühlte er den Wert dieses Ausspruches, den neuen ihn bestürmenden
Anforderungen gegenüber. - »Hat sie eingewilligt? Gott, wie ertrug sie es?«
    »Später, später!« rief Souvré - »jetzt tut Ihnen nichts so Not, als Ihre
Freiheit! Darum begnügen Sie sich damit, dass ich Ihnen versichere, dass Sie frei
sind.«
    Leonin fühlte diese Wahrheit. Er beruhigte sich damit und flog der neuen
Richtung seines Lebens mit der Hast eines Menschen entgegen, der nicht mehr den
Mut hat, in sein Inneres zu blicken. -
    Als die Marschallin im großen Hofkostüme, mit Juwelen beladen, ihr
Ankleidezimmer verließ, um in den Wagen zu steigen, stand der Marquis de Souvré
vor ihr, und sein boshaftes Auge überlief die anmassende Erscheinung der stolzen
Frau - er sann der Hoffnung nach, sie zu erschüttern.
    »Madame,« sagte er - »ich darf über den Gegenstand, um dessenwillen Sie mich
zu sprechen wünschen, nicht im Zweifel sein - beruhigen Sie sich, Ihr Sohn ist
frei!«
    »Das habe ich vorausgesetzt,« sagte sie kalt - »was wollte solche Person
auch für so angemasste Rechte hervorbringen?«
    »So war es nicht, Madame,« sagte Souvré scharf - »Ihr Recht war in guter
Ordnung. Kein Gerichtshof von Frankreich hätte es bezweifeln können; - und eher
hätte man den König bewogen, seine Krone niederzulegen, als sie, diesen Rechten
zu entsagen!«
    »Ihr scherzt,« sagte die Marschallin, etwas herabgestimmt - »also müssen wir
wohl Alles Ihrer besonderen Klugheit zurechnen?« -
    »Auch das nicht, Madame.«
    »Nun, und dann? Ihr sagtet doch, Leonin sei frei!« -
    »Er ist Wittwer!« rief der Marquis mit dem schneidendsten Tone, indem sein
Auge durchbohrend auf seiner gefassten Verbündeten ruhte.
    Doch diese taumelte ein Paar Schritte zurück und schien alle Fassung zu
verlieren. - »Tot? tot? Marquis, was habt Ihr getan? Diese Sache durfte so
nicht enden - das ist gegen unsere Würde!«
    Mit unbeschreiblicher Verachtung blickte der Marquis auf diese hochmütige,
entsetzte Person. Selbst im Sündigen wollte sie noch mit sich coquettiren und
ihren aristokratischen Dünkel behaupten. Sie, die mit langer, sorgfältiger Mühe
und Vorbereitung den Dolch schliff, der ihr Schlachtopfer vernichten sollte, und
ihr Gewissen so eingewiegt hatte, dass sie hoffte, sich nie davor erschrecken zu
müssen - sie glaubte sich nun aus ihrer Würde verdrängt, da sie das gemeine
Schicksal jedes Bösewichtes erfuhr, dass blut fließt, wo der Stoß trifft!
    »Madame,« sagte er mit
