 Dein Weib sich nicht von
Dir trennen - ich weiß Dich nicht zu stützen - das Gebet wird es uns lehren!«
    Sie wollte das schlummernde Kind nach seinem Bettchen tragen; als sie den
Fuß erhob, ließ sich in den Vorzimmern Geräusch hören - Türen gingen auf -
Schritte nahten sich - es war der Kammerdiener - kaum hatte er Zeit, zu sagen:
»der Marquis de Souvré,« als dieser auch schon eintrat - Fennimor schrie laut
auf - das Kind fuhr aus dem Schlafe - Leonin sprang von seinen Knieen auf.
    Der Marquis blieb mit der höhnischen Miene, halb Lächeln, halb Zorn, vor
dieser aufgestörten Gruppe stehen, zufrieden, dass Beide in ihm den Henker ihres
Glücks erkannten.
    »Eine idyllische Szene!« rief er, als Beide schwiegen. »In Wahrheit, man
glaubt hier um ein Paar Jahrhunderte zurück zu leben!«
    Dies erzürnte Leonin. »Ich denke, Marquis, die Natur, mit ihren ewig
gleichen Beziehungen zu dem Menschen, müsste auch überall dieselbe geblieben
sein!« -
    »Ich glaube - es kann sein« - erwiderte Souvré mit allen Zeichen der
Langeweile, womit er Leonin immer unsicher machte und ihm zu imponiren wusste -
»Sie wissen, ich habe nicht Zeit, an so Etwas zu denken. Wir Vornehmen der Erde
sind genötigt, diese Dinge den augenblicklichen Zuständen der Zeit anzupassen -
ich grüble über so Etwas nicht. - Doch, Crecy, machen Sie die Honneurs in Ihrem
Hause! Denn diese kleine Dame« fuhr er leicht grüßend gegen Fennimor fort,
»scheint dazu nicht zu passen, und ich bin wie ein Unsinniger gefahren, Ihr
altes Eulennest zu erreichen, und bedarf jetzt Ruhe.«
    Er wollte Leonin's Arm ergreifen und ihn mit sich ziehen. Da erwachte
Fennimor; sie stand auf, schritt auf Beide zu und heftete ihre großen,
angstvollen Augen so fest auf den Marquis, dass dieser den Blick nicht zu
ertragen vermochte.
    »Berührt ihn nicht,« sagte sie dann mit einer Geisterstimme, »berührt ihn
nicht! Ihr dürft keinen Anteil an ihm haben - und Du, Leonin, gehe nicht mit
ihm, er ist nicht rein geblieben, Du gehest verloren mit ihm!«
    So gewandt Souvré jeden Gegenstand zu behandeln wusste, war er doch mehr auf
die Impertinenzen der großen Welt abgerichtet; hier trat ihm eine Verwerfung,
eine Verachtung entgegen, die sich um kein Bonmot, um keinen Scherz drehte, der
durch einen noch böseren Witz wieder bezahlt werden konnte. Ihr Ernst, der von
einer fast überirdischen Schönheit unterstützt ward, überwältigte ihn mit der
Macht der Wahrheit, und der Patos, mit dem sie ihn so ohne Rücksicht
bezeichnete, hatte etwas so Mächtiges, dass
