 Ihnen Ihr
Rang, als einem der ersten Untertanen unseres erhabenen Königs, auferlegt. Sie
gehören sich selbst nicht mehr an, kein Mensch hat ein Recht an Sie von dem
Augenblicke an, wo der König über Sie verfügt; - Alles ist Nebensache - kann und
muss beseitigt werden zu Gunsten dieses einen, höchsten Zieles! - So, mein Sohn,
denken alle, welche die Ehre haben, Franzosen - Untertanen des ersten Königs
der Erde zu sein. - Doch, vor Allen denken so die hohen Vasallen der Krone, die
Stützen des Trones - die Crecy-Chabanne, die Rohan, Soubise, Montmorency,
Latour d'Auvergne und ähnliche erlauchte Personen. Ist eine Jugendtorheit in
ihren Lauf gekommen, so wissen Sie, dass keine der Art so hervortreten darf, dass
sie diesen angestammten Verhältnissen den kleinsten Schatten geben könnte; und
da Sie nur eine Pflicht haben dürfen, so wissen Sie, was Sie von allen andern zu
halten haben.«
    Da Leonin nicht antwortete, sondern seine Mutter mit düsteren, verwirrten
Blicken anstarrte, fuhr die Marschallin mit steigendem Mute fort: »so sehr ich
es mir auch zum Gesetze gemacht habe, Ihrer Jugendverirrung nicht mehr zu
gedenken, überzeugt, Sie würden im Laufe Ihres Lebens am Hofe, und bei erlangter
Kenntnis der Verhältnisse, die Ihnen allein zustehen, von selbst die nötigen
Schritte tun, sich von jedem störenden Einflusse, der daher kommen könnte, frei
zu machen - muss ich doch einsehen, dass Sie mit Ihrer gewöhnlichen Nachlässigkeit
jene Jugendtorheit unverändert gelassen haben. Wie jedes Übel dadurch wächst,
dass wir es nicht anzugreifen wagen, so findet es sich auch bei Ihnen; da Ihre
glänzenden Verhältnisse, die Ihnen in allen Beziehungen die ersten und
vollkommensten Gaben darbieten, Sie endlich auf die Spitze hintreiben, ergreift
Sie das Gefühl, dieser Auszeichnungen nicht mehr wert zu sein durch unwürdige
Bande, denen Sie noch Geltung zugestehen.«
    »Nein, nein,« unterbrach sie Leonin - »nicht unwürdige - heilige, heilige
Bande! - Ich bin vermählt! Ich bin ein Bösewicht, wenn ich es leugne!«
    »Hierüber, mein Sohn,« sagte die Marschallin mit großer Kälte, »kann ich mit
Ihnen nicht streiten. Der Pairshof würde Ihnen darauf antworten können! Doch
würde ich beschämt sein, wenn mein Sohn von einem Gerichtshofe erfahren müsste,
dass keine Handlung des Mineronnen, ohne Zustimmung seiner Eltern, irgend
gesetzliche Kraft habe; noch mehr aber beschämt, wenn der Erbe des Namens
Crecy-Chabanne in Zweifel darüber wäre, dass er sich vor der Welt nur durch eine
ebenbürtige Vermählung behaupten könne. Doch dies Alles habe ich nicht nötig; -
ich verweise Sie an Ihren Beichtvater; fragen Sie ihn, welche Kraft
