 Künstler zu sein, kein Gespinnst meines
erhitzen Gehirns ist, dass es sich erfüllt findet in Anerkennung und freudigem
Festalten da, wo die Seele der Menschen noch das unschuldige Auffassen behalten
hat, das ohne den Konflikt mit der Welt die Wahrheit erkennt.« - Aber wie war
Fennimor dagegen erstaunt, dass ein Künstler von Gott hatte abfallen können, wie
sie es nannte, und ein wahrer Heide werden, der viele kleine Götter anbetete,
die ihn sein Herz in der Welt hatte suchen lassen - - »und natürlich,« sagte
sie, »daran zu Grunde geht in Missmut und Bitterkeit. - Denn, wie sollten sie
Dir treu bleiben, da Du den allein Treuen um sie verlassen hast? Hättest Du Gott
vor Augen gehabt, was hätte Dir Lebrun wohl tun können, als Liebes und Gutes
durch seine herrlichen Werke, wie Du selbst von ihm rühmst - und hättest Du die
rechte Liebe gehabt, so hättest Du auch den rechten Frieden bekommen!«
    Mit protestantischem Ernste griff sie sein mattes, inneres Treiben an, was,
leidlich zur Ruhe gesprochen von äußeren Gebräuchen und Hülfsmitteln des
katholischen Priestertums, ihm keine Heilung der Seele geben konnte; da es ihn
fern hielt von strenger Selbstrechenschaft, die, in das Formenwesen von Beichte
und Absolution hinüber gezogen, ihn ganz von der Möglichkeit entfernt hatte, auf
dem Wege der Religion sich mit der Welt wahrhaft zu versöhnen.
    »Was kann Dir denn das helfen, wenn ein Mensch Dich absolvirt,« sagte sie
eifrig - »weißt Du nicht, dass Keiner ohne Fehl vor Ihm befunden ist? Warum tust
Du nicht nach Gottes Geboten, der eben durch seine Offenbarung in Christo Dir
sagt, Du sollst Ihn anbeten im Geiste; denn er ist ein Geist! Du bist getötet
durch Deine Priester, die sich zwischen Dich und den Geist Gottes drängen; denn
das Fleisch - das heißt, ihr fleischlich Wort - tötet! Der Geist allein macht
lebendig! Siehst Du nun wohl ein, welche Sünde es ist, die Andacht aus den
Händen zu geben und träge zuzusehen, was Dir Andere zurecht machen und Dir davon
überlassen nach ihrer sündigen, menschlichen Einsicht? Ja, das sollte uns schon
gefallen, wenn es so leicht abgetan wäre! Wir aber, wir Protestanten, die wir
nach der Lehre Christi leben müssen, wie die Evangelien sie lehren, wir wissen,
dass es keine andere Rechtfertigung vor Gott gibt, als im Glauben an unsern
Heiland, durch den wir alsdann die Kraft empfangen, die Sünde von uns abzuhalten
und der Vergebung teilhaft zu werden, die er Allen verheißen, die an seine
Versöhnungskraft glauben. Wie kannst Du Dir also weiß machen lassen, ein
Priester, der so gottlos ist, sich für
