ja, ja, Madame trägt stark auf, wenn sie spricht. Doch
glaube ich nicht, dass ein so unbedeutendes Produkt, wie uns vorgetragen wurde,
Eindruck machen würde, belebte sie nicht dasselbe Verlangen, das Madame de
Sevigné als erfüllt darstellte.« -
    »Ja, so ist es, mein Herr Marschall - die gute Sevigné gehört nach der
Kinderstube, nicht an den Schreibtisch! Ich versichere Sie, dass sie nicht im
Stande ist, ortographisch richtig zu schreiben, und damit müsste man doch wohl
anfangen, wenn man eine Schriftstellerin sein will.« -
    »Wäre es nicht wichtiger,« erwiderte hier ein junger Mann in einfacher
geistlicher Tracht, »erst richtig zu denken? Wie Viele mögen den Vorzug
besitzen, richtig zu schreiben, ohne einen einzigen Gedanken so ausdrücken zu
können, wie Madame de Sevigné - ohne Gefühle in sich zu haben, wie sie hier eine
Zierde der Menschheit werden!«
    Die Gräfin de la Fajette blickte etwas hoch auf, und ihre sich spannenden
Augenbrauen verrieten, dass sie nicht geneigt sei, den halb vorwurfsvollen Ton
dieser Erwiderung milde hinzunehmen; als sie aber die sanften, edelen Züge des
Jünglings erblickte, der zu ihr gesprochen, musste sich die kluge Frau gestehen,
er habe gar nicht daran gedacht, dass seine Erwiderung sie träfe, sondern sich
in den Gegenstand vertieft, ihm sein Recht gönnend und damit eine Beleidigung
unmöglich haltend.
    »Vollkommen richtig bemerkt, mein lieber Salignac!« sagte die Gräfin daher,
schnell gefasst: »wer hätte hierüber zu entscheiden mehr Recht, als Sie, der Sie
der Verkündiger der edelsten und frömmsten Gesinnungen sind!«
    »Nein, Madame, nein!« rief der junge Mann mit schwärmerischem Eifer, »über
den ganzen Wert der Gedanken und Gefühle, die Madame de Sevigné uns
mitgeteilt, wird nur eine Frau entscheiden können, in die Gott ausschließlich
die Seligkeit einer Bestimmung ausgeschüttet hat, der wir nur aus der Ferne mit
der Verehrung zusehen können, die an dieser außerordentlichen Bevorrechtung des
Himmels uns die erhabene Bestimmung ihres Geschlechtes ahnen lässt!«
    »Liebenswürdiger Schwärmer!« rief die Gräfin, fast gerührt; »da wir heut im
Prophezeihen sind, und Madame Henriette der Frau Marquise de Sevigné schon das
Prognostikon ihrer Zukunft gestellt hat, so verkünde ich Ihnen, dass Ihre sanfte
jugendliche Weisheit, zum Manne erstarkt, das Zeitalter retten wird, in dem Sie
leben; dass Salignac la Motte Fenelon Platz finden wird in den Büchern unserer
Geschichte, trotz des Grössten, den wir darin verzeichnen!«
    »Gottlob, Madame,« fuhr der junge Mann ohne alle Zeichen des Eifers fort,
»dass ich Ihnen nicht glaube! Die Geschichte mit ihrem Namensverzeichnisse hat
keinen Reiz für mich -
