 grenzte, mit einer Art von
Stolz mehr unterstützte, als verringerte.
    Die Mittel zu großen Ergebnissen boten sich dem herrschenden Oberhaupte in
allen Beziehungen dar, und unter den Händen Kolbert's entwickelten die reichen
Kräfte des strebenden Landes fröhlich ihre hundertfältigen Adern und atmeten
Lebensfülle und spendeten den segensvollen Reichtum, der immer wieder den
großen Kreislauf belebender Tätigkeit erneuerte, den der Glanz des Trones
sowohl, als sein politisch zu behauptendes Ansehen erforderte.
    Wenn die Meinungen über diese Zeit oft bis zum Anbeten ihrer Erscheinungen,
oft bis zum Herabwürdigen unter den geringsten Standpunkt geschichtlicher
Momente gewechselt haben, dürfte Beides eine Berechtigung nachweisen können,
wenn wir bloß die materiellen Fakta ohne ihren geistigen Zusammenhang gelten
lassen wollen. Denn wir sehen allerdings in demselben Rahmen, der Ludwig's
Lebensperiode umschließt, einen Höhenpunkt glänzender Erfolge, wie er uns
hinreißen muss, und am Ende derselben einen Schrecken erregenden Verfall, der
ohne Zweifel die Keime der großen Erschütterung nachweisen ließe, die den
Urenkel des Platzes verlustig machte, auf dessen unbestrittenem Besitz Ludwig
der Vierzehnte seine Dynastie unzerstörbar begründet glaubte. - Aber wir dürfen
bei dieser niederschlagenden Betrachtung nicht übersehn, dass das Volk in dieser
ersten glänzenden Epoche dennoch ein Pfand empfangen, welches den Wert dieser
Zeit unbestreitbar macht - ein Pfand, mit welchem es wuchern konnte, das zu
zerstören nicht mehr in der Willkür seines Herrschers lag - und dass dessen
ausartenden persönlichen Neigungen, die wir mit dem Verfalle der Zeit
bezeichnen, doch in ihrer jugendlichen Entstehung Schritt hielten mit den
Bedürfnissen seines Volkes, und über alle Zweige menschlichen Wissens den Zauber
der Ermunterung, der Förderung und der Anerkennung verbreitet hatten. So müssen
wir seiner ausartenden Eroberungssucht sicher den Vorwurf machen, das Land
erschöpft und mit Schulden belastet, und, gegen jedes moralische Prinzip
anstossend, sein persönliches Ansehen herabgesetzt zu haben. Aber das Volk hatte
Früchte geerndtet, die es in seinen Erfolgen nicht allein damals an die Spitze
der Kriegskunst stellte, sondern an deren Nachahmungen sich noch die
nachhaltigsten Einrichtungen aller Nachbarländer knüpfen lassen. Wenn wir eben
so vor den Bauwerken dieser Zeit, vor den zügellosen Ausstattungen aller
königlichen Besitzungen und der ihnen anhängenden Bedürfnisse - vor ihren
Festen, ihren Beschäftigungen und ihrem zahllosen unbeschäftigten Dienertrosse
stehen, und bloß bedenken wollen, wie dadurch der Schatz erschöpft werden musste,
und dem betäubten Gewissen die Wege geöffnet zu Erpressungen und Bedrückungen
des Volkes, die wir mit Unwillen endlich auch verfolgt sehen: so werden wir doch
dadurch immer nicht die Wirkungen annulliren können, die in diesem üppigen Leben
des Genusses den Segen aller künstlerischen und wissenschaftlichen Erscheinungen
entwickelten, und sie zu einer Ausbreitung und Wichtigkeit erhoben, welche dem
versinkenden Leben Italiens eine neue Heimat, dem übrigen Europa eine Brücke zu
bis dahin zu entfernt liegenden Schätzen baute.
    Gewiss müssen wir
