 dem jungen Könige das Recht eines eben so rüstigen Streiters
zugestehen; denn seine Arbeit ehrte ihn nicht minder.
    Der Überdruss, ja der Abscheu, den die Nation gegen die Gewalt roher Willkür
und Gesetzlosigkeit zu empfinden begann, entwickelte sich in ihrem Könige zu dem
Schranken-System einer Etikette, die ihm dasselbe Bedürfnis befriedigte, eben
das einer unangreiflichen, gesicherten Stellung, um zum Genuße seiner
persönlichen Vorzüge auf dem erhabenen Standpunkte seiner Geburt, gelangen zu
können. Welchen Ausartungen dieses System im Verlaufe seiner Dauer auch
unterworfen war, zu welcher, einer späteren Entwickelung lächerlich
erscheinenden, Karrikatur es herabgesunken dastehen muss, wir dürfen seine
Entstehung nicht gering achten, den Geist nicht verkennen, der es erschuf. Es
hatte einen tiefen psychologischen Grund, der ohne alle Frage das höhere
geistige Fluidum der Nation entwickelte, und den beispiellos hohen Rang
bestimmen half, den Frankreich in diesem Zeitlauf in Europa einnahm, seinen
Einfluss über Alles erstreckend, was um den Preis einer feineren Sitte rang; denn
es lag darin die Fessel der Rohheit. Der despotische Zwang, den diese Formen
über jede Willkür ausübten, ward ein Bollwerk, hinter welchem die Anstürmenden
in dem glänzendsten Kultus zauberhafter, neuer Einkleidung den Hof ihres Königs
gewahrten - ein zur höchsten Poesie erhobenes Wunder fremder, blendender
Schaubilder, dem näher zu treten, bald die Sehnsucht und der Ehrgeiz Aller ward,
und das zu erreichen, eben dieses Bollwerk nur einer bestimmten Auswahl
gestattete; und diesen Auserwählten wieder nur, indem sie sich selbst bezwangen
und mit gefesselten Trieben nicht sich, sondern der Zauberformel jener Etikette
gehorchten, in welcher Alle vor dem Nymbus dieses Trones eingefangen lagen. Wie
der Gegensatz zu diesem despotischen Sittengemälde sich auch finden musste,
welchen empörenden Entartungen in der Religion, Moral und Sittlichkeit wir auch
zur selben Zeit begegnen mögen - der Impuls zu einer gesellschaftlichen
Existenz, wie sie keine Zeit ihr ähnlich darzustellen vermag, mit allen
Versuchen, eine höhere Gesittung über alle Verhältnisse des Lebens zu
verbreiten, gehört als unbestreitbares Verdienst dieser Epoche an. Sie erregte
eine Bewegung, deren Einfluss wir noch jetzt nachzuweisen vermögen, wenn auch
durch die frei gewordene Herrschaft des gebildeten Geistes losgesprochen von dem
Zwange des Gesetzes, welches festzuhalten, nachdem es leer geworden seiner
früheren Bedeutung, zu der mit Recht gering geachteten und bespöttelten
Karrikatur eines Ceremoniels oder absondernden Schutzes herab gesunken ist, der
keinen Grund mehr findet in vorhandener Rohheit.
    Zu jener Zeit aber machten sie den Hof, als Anhang des Königs, als den
Zauberkreis, in dem er seinen wunderbaren Ritus übte, zu einem wahrhaft
unerreichbaren Standpunkte, und noch war es die Zeit - ja sie erwachte erst - wo
das Volk sich von seinen Souverainen imponiren zu lassen wünschte, und die
Absonderung, die fast an göttliche Unterscheidung
