 in ihr zu deuten scheint,
so vernichtet die kleinliche Geringheit ihrer Absichten doch stets jedes
Prädikat der Größe, und wir müssen einsehen, wie die Begebenheiten außer ihr
daherschritten und sich bloß an sie anhingen, weil sie den Höhenpunkt einnahm,
um den der Kampf kreiste. Aber dieser Standpunkt machte, dass sie die
mitgeführten Schätze fremder Bildung, fremden Geistes um sich weiter verbreiten
konnte, und bloß sich selbst den lang gewohnten, reich geschmückten
Heimatsboden schaffend, ward sie ein Sammelpunkt neuer, glanzreicher
Entwickelung für tausend ihr entgegen blühende Kräfte, die, angeregt, nicht
überschattet werden konnten von dem schnöden Dienste, den ihre geringe sinnliche
Natur ihnen widmete. Im Gegenteil gewinnt das Begonnene in Heinrich dem
Vierten, in Sully's weiser Hand schon sichereren Boden; die augenblickliche Ruhe
lässt das Gesammelte schon überschauen als französisches Eigentum. Maria von
Medicis erscheint endlich in einem Augenblicke als Regentin, wo diese Anklänge
bedroht sind. Die Stürme, die sie weder aufhalten, noch lenken kann, und die
diese höheren Blüten zu knicken drohn, finden in ihr noch Schutz und Anregung,
und sie erscheint in ihrem kleinlichen, inkonsequenten Walten, als habe sie das
Schicksal bestimmt, diesen einen Punkt zu hegen, bis ihr Alles abgenommen würde,
um in die große Hand Richelieu's über zu gehen, der zuerst zu gesammter
Handhabung sich kräftig zeigte.
    In wie fern Richelieu sich des Planes, eine unbeschränkte Monarchie zu
stiften, bewusst war, der seiner klugen Regierung jetzt notwendig untergelegt
werden muss, möchte eben so schwer, als erfolglos zu ergründen sein. Indem sein
stolzer und befähigter Geist ihn an der Seite Ludwigs des Dreizehnten zum
wirklichen Regenten Frankreichs machte, mussten die notwendigen Anforderungen
dieses Karakters ihm die Unterdrückung der übermütigen Großen des Landes,
welche immer ein Familien-Oberhaupt an ihre Spitze lockten, um dahinter ihre
anarchischen Absichten zu verbergen, zu einer fast persönlichen Befriedigung
machen, wenn nicht zugleich anzunehmen wäre, dass sein großes Genie, sein heller
und der Zeit voraneilender Geist in dieser Unterdrückung das Mittel erkannt
habe, Frankreich zu bürgerlicher Ruhe und den König zum absolutesten Herrschen
zu führen.
    Unbezweifelt hat das Getriebe, das er mit starker Hand zu lenken wusste, die
ersten sicheren Resultate erzielt, und Ludwig der Eilfte, der den Kampf mit der
Anarchie und mit dem aristokratischen Übermute seiner großen Vasallen so
rastlos verfolgte, würde mit Neid auf die Ernte dieses großen Staatsmannes
geblickt haben, der die Erfüllung der Idee erlebte, der er mit allen seinen
Bestrebungen nachjagte, ohne die Zustände bewältigen zu können.
    Dessen ungeachtet erschreckten noch die Waffenklänge des Bürgerkrieges die
Knabenjahre Ludwigs des Vierzehnten - bei erwachendem Bewusstsein mussten er und
seine Mutter vor den Erfolgen der Fronde flüchten, und zu dieser Schmach noch
jeden Mangel hinzugefügt sehen
