 können, welche die anderen besiegen, und die vorherrschende
bleiben würde.
    Wenn wir ihn von der Absicht der Marschallin von Crecy geleitet denken,
dürfen wir nicht übersehen, wie die Zeit in dem Augenblicke gerüstet war, diese
stolze und ehrgeizige Frau zu unterstützen. Frankreich war in einem Rausche, der
jedes Individuum, jeden Stand ergriffen hatte, und der Dünkel einer
Naturberechtigung, eines absondernden Vorzuges war nicht aristokratisches
Element allein. Die ganze Nation fühlte diesen Stolz, als französische Nation,
und dies Gefühl war der Heerd, um den sich alle Kräfte, wie die Mitglieder einer
Familie, sammelten und damals zuerst den unzerstörbaren Korporations-Geist
entwickelten, durch den Frankreich so national erstarkte, dem Auslande so
gebietend, fremdem Einflusse später so unzugänglich wurde.
    Und wer musste nicht mit Anteil auf ein Volk sehen, das endlich unter den
Flügeln seines jungen königlichen Adlers sich sammelte und, in einem Gefühle
zusammengehalten, von keiner Parteiung mehr bis in das Herz der Familien
zerrissen, sich Mut gewann, auf dem eignen Boden sein Bürgerrecht zu üben.
    Und dieser Boden war der Boden des schönsten Landes der Erde, das der
Menschenhände nicht wartete, sich selbst ausstattend zu schmücken, und jeden
seit Jahrhunderten in seinen Schoss niedergelegten Keim geistigen Lebens, treu
bewahrt darbot, als es sich frei erklärte, seine Schätze zu sammeln und sie zur
vollen Reife zu bringen. Denn gewiss würden wir nur unvollkommen die
außerordentliche Periode in der Entwickelung Frankreichs, die unter Ludwig dem
Vierzehnten fiel, betrachten können, ließ wir den ihr vorangegangenen
Entwickelungen nicht ihr Recht, und fänden sich nicht in ihnen schon als Keime
die Andeutungen der großartigen Erscheinungen, die uns später so imposant
überraschen, und die, als nicht zur Reife gekommene geistige Bestrebungen, dem
materiellen Übergewichte früherer Zeiten weichen mussten. Wir dürfen den Blick
nicht abwenden von dem rohen Kampfe unbezähmter Leidenschaften, der die Blätter
der Geschichte mit seinen blutigen Bildern zu beflecken scheint; wir müssen mit
jenem anteilvollen Staunen darauf merken, welches uns den Blick frei erhält für
den Zusammenhang, in welchem auch dieser rohe Kampf seine Ordnung findet und das
Individuum seiner Zeit dienstbar darstellt, als unterliegendes oder siegendes
Mittel neuer Erkenntnis. - Wir sollten vielleicht mit eben so leidenschaftsloser
Betrachtung diesen Zuständen folgen, als wir den großen Eruptionen der Natur
gegenüber bleiben, welche ohne Zweifel analog sind mit den wilden, Bahn
brechenden Kämpfen der Menschen, die wir eben so wenig in der organischen
Entwickelung der geistigen Welt zu entbehren vermöchten.
    Und so dürfen wir mit mehr Anteil, als Unwillen auf die grauenhaften Bilder
der Periode Frankreichs blicken, die wir eine vorbereitende der bedeutenden Zeit
Ludwigs des Vierzehnten nennen dürfen; und den Samen zu ihren glänzenden
Früchten dort aufzufinden, das wird vermittelnd zwischen uns und die Bilder
ihrer
