 Zeit ahnend herauf dämmern
sahen, die sich den gewohnten Ansichten entgegenstämmen wird, machte mich zu
einer Entwickelung bereiter, der ich mich jetzt nicht mehr entziehen kann. Je
mehr aber ein innerer Verfall, um sich greifend, das lang Bestandene zu bedrohen
scheint, je mehr werden wir finden, dass die Form festgehalten und der Irrtum
genährt wird; dass sie es ist, um deren Behauptung es sich handelt, das sinkende
Ansehen vor der sich auflehnenden Weltordnung zu schützen. Auch gehört sicher
eine große Selbstüberwindung dazu, der schwächsten Seite dieser Sache, eben
ihres lang behaupteten Rechts, nicht zugleich als eines Vorzugs gedenken zu
sollen, da allerdings etwas Schmeichelhaftes darin liegt, sich der Kaste
angehörend zu wissen, die am längsten sich des Besitzes geistiger und sittlicher
Vorzüge rühmen darf, und auf eine dadurch mit sich geführte Veredlung des Blutes
des ganzen Individuums bauen durfte. - Du denkst mit Stolz und Enthusiasmus
Deines vortrefflichen Vaters! Das schönste Gefühl der menschlichen Brust, das
Gefühl kindlicher Liebe, wird vielleicht, wenn Dich das Leben versuchen sollte,
eine Waffe dagegen. Den Namen eines Vaters tragend, den Du so hoch stellst,
willst Du sein würdig handeln, Du glaubst von so edlem Ursprunge höhere
Anforderungen an Dich - lass' mich hinzusetzen, an die Anerkennung Anderer machen
zu können; und so entwickelt sich naturgemäß in jeder edel strebenden Brust ein
ähnliches Gefühl, als die Kaste des Adels sich gewöhnt hat zu nähren, jetzt
freilich mit dem bedeutenden Unterschiede: ihre Handlungsweise nicht mehr
solchen Erinnerungen getreu zu behüten, sondern in den alten Ansprüchen sich
zugleich befähigt zu ihrem Besitz haltend. Ludwig der Vierzehnte, der eifrigste
Beschützer der alten Adelsvorrechte, hat ihnen doch, vielleicht ahnungslos und
in anderer Richtung strebend, durch die geistvolle Weise, wie er Künsten und
Wissenschaften einen Platz um seinen Thron einräumte, den Todesstoss gegeben. Die
Aufklärung, welche ihre Blüten, Künste und Wissenschaften, gedeihen lässt, ist
auf diesen Punkt gestiegen, nicht mehr als Eigentum höherer Stände, von ihnen
ausschließlich fest gehalten, zu denken. - Es sind die Quellen des Nils, die das
Flussbett, worin sie eingefangen wurden, in eigener Fülle und Kraft anschwellend
überschreiten, und ein ganzes Land befruchtend überziehen; wer einmal die Erndte
nach ihrem Säen kennen lernte, blickt Zeit des Lebens aus nach dem seltenen
Sämann, der nicht frägt, ob der Boden, den er bestreut, dem bevorrechteten oder
belasteten Bürger der Erde gehört.«
    »Die Zeit ist also erst im Entstehen,« sagte Elmerice sinnend, »die ein
freies Wirken und Schaffen unter Gleichgesinnten herauf führen wird - vorerst
hat das reichere geistige Individuum keine Freiheit zu hoffen, als eben die
innere, durch edles Streben selbst geschaffene.«
    Die Gräfin fühlte
