 als Teilnahme, was ihn zu lebhaften Äußerungen trieb, von Allen jedoch
überhört, bloß zur Nahrung seiner eigenen Stimmung. -
    Doch war dies Ereignis bestimmt, Leonin zu der tiefsten Erkenntnis seiner
übernommenen Pflichten zu führen. - Der Reif, den der Marquis mit dem Hauche aus
der alten, lang gewohnten Welt in seine frisch duftenden Blüten gesenkt, er war
zerronnen in Tränen heißen Schmerzes um den Verlust eines Menschen, wie er nur
selten, unter den günstigsten Konjunkturen zu reifen vermag. - Leonin hatte ihn
mit seiner durch ihn gereinigten Seele zu verstehen und zu lieben vermocht; er
wusste, er fand nie seines Gleichen wieder, und er betrauerte seinen Verlust mit
tiefster Wehmut und stärkte sein Herz für die große Aufgabe, die Fennimor's
Loos ihm nunmehr übertrug. So neu auch alle Verhältnisse, so groß die
vorliegenden und die zu erwartenden Schwierigkeiten sein mochten, sein Herz ward
sein Lehrmeister, und dies gibt immer den Rat, den wir befolgt sehen von
denen, die uns lieben, und welcher den Verstand und die Erfahrung zu überholen
vermag, wenn es von einem wahren Gefühl erfüllt ist.
    Daher konnte der Marquis auch nur die kürzeste Zeit Zuschauer dieser
Verwandlung bleiben, die ihn um jeden Einfluss zu bringen drohte, weil gar nicht
mehr von ihm die Rede war, indem Leonin, völlig überzeugt, der Marquis könne ihm
gar nicht bei so abweichenden Verhältnissen raten, diesen auch nie aufrief,
seine Meinung zu sagen, und daher sein Kommen und Bleiben zu einer
Unbedeutenheit herabsank, die er bloß zu erkennen brauchte, um ihr so schnell,
als möglich, ein Ende zu machen. Dessen ungeachtet musste er, um nicht ganz ohne
alle Erfolge zurückzukehren, die Ankunft des Grafen Gersei abwarten, welcher,
von dem Tode des Kaplans unterrichtet, am nächsten Tage erwartet wurde.
    Leonin hatte nämlich jede Unsicherheit abgeworfen und war fest entschlossen,
seine junge Gemahlin sogleich mit sich nach Frankreich herüber zu führen und sie
nach Ste. Roche, welches er schon als sein Eigentum ansehen durfte, zu bringen,
bis er Zeit gefunden, seine Mutter von diesem Schritte zu unterrichten und, wie
er hoffte, damit zu versöhnen. Er teilte diesen Vorsatz dem Marquis mit der
größten Sicherheit mit und schlug jeden Einwand desselben mit der Leichtigkeit
zurück, die eben so wohl fester Wille, als Unkenntnis der ganzen Größe der ihn
erwartenden Schwierigkeiten war.
    »Eure Pläne«, antwortete der Marquis mit der stolzesten Kälte, »sind
allerdings mit einer Schnelle und Sicherheit gefasst, die es unmöglich machen,
gegen sie einzuschreiten, und so lästig mir von Anfang an eine Einmischung in
Eure Familien-Angelegenheiten war, so fühl' ich sie doch dadurch noch erhöht,
der Zeuge von Euren Handlungen sein zu müssen
