 zu wissen, sie war die
Betrügerin nicht; also der Vater - schloss er sicher weiter.
    »Die Umstände,« erwiderte der Graf ernst, »haben Schritte nötig gemacht,
die, wenn sie auch der Abweichung von einer ehrwürdigen Pflicht sich scheinbar
schuldig gemacht haben, doch ihre innere Rechtfertigung nicht entbehren. Ich
hoffe meine Mutter hievon zu überzeugen, um so mehr, da sie einsehen wird, dass
ich mir ein so seltenes Glück, als Gott mir in Deinem Besitze zuführte, nur
sichern konnte, wenn ich die ehrenvollsten und sichersten Mittel zu Deinem
Schutze aufrief. Als meine Gattin kann ich Dich selbst allein stehen lassen,
wenn meine nächsten Pflichten dies vorerst nötig machen, und dieser Rang wird
Dir Freiheit geben, mir überall zu folgen, und mir das süße Recht, überall Dein
Beschützer zu sein.«
    »Ach,« sagte Fennimor, erquickt durch diese Worte - »das wird gewiss Deine
liebe, herrliche Mutter eben so einsehen; denn, wenn Du sprichst, dann fühle ich
immer, dass Du Recht hast, und bin um Alles ruhig. Nur das Eine, nur, dass wir uns
trennen sollen, das, hoffe ich immer, wird nicht geschehen, weil es so sehr
unnatürlich ist. Glaubt Ihr das nicht auch, Herr Marquis, und wollt Ihr uns
nicht Rat geben, wie wir Alles tun können, was nötig ist, um dies Unglück zu
vermeiden?« -
    »Es stimmt vollkommen mit Eurer Unschuld und mit der völligen Unkenntnis der
Verhältnisse der Welt, wie mit den besonderen des Grafen Crecy zusammen, dass es
Euch so schwer fällt, einzusehen, in welche Schwierigkeiten derselbe sich durch
sein Verhältnis zu Euch gestürzt hat. - Seiner Liebe zu Euch, scheint es, ist es
zu schwer gefallen, sie Euch aufzudecken, und vielleicht ist darum meine Ankunft
eine rettende Auskunft zu nennen, wenn ich Euch Eure wahre Lage entülle, deren
geringe Zugeständnisse Ihr dann bald einsehen werdet - oder doch unfehlbar Euer
Vater, der wohl schwerlich aus Unkenntnis der damit herbeigeführten
Schwierigkeiten die rasche Handlungsweise meines Freundes zulassen konnte.«
    »Ich muss Euch bitten, Marquis,« hob hier der Graf mit beleidigtem Stolz an,
»meine Gemahlin nicht unnütz mit den Torheiten der Welt bekannt zu machen und
ihre reine Seele durch die Ansichten zu trüben, die dort als wichtig
hervortreten; sie soll von ihnen nicht getrübt werden, und ich werde das Glück
meiner Verbindung nicht eher aussprechen, bis ich ihr dort die Wege geebnet und
sie sicher gestellt habe gegen die abweichenden Anforderungen, von deren dort
geltender Wichtigkeit sie, Gottlob, eben so wenig, als ihr verehrungswürdiger
Vater eine Ahnung hat!«
    »Nicht zu leugnen, dass diese naive Unkenntnis aller Verhältnisse
