 war ihm bis dahin gleichgültiger gewesen, als eben
diese Majorennität. Mit allen Vorzügen des Reichtums immer ausgestattet, hatte
eine Vermehrung dieses sorglosen Besitzes, womit zugleich eine Verwaltung
desselben die bequeme Ruhe des bisherigen Lebens bedrohte, sehr wenig Reiz für
ihn gehabt, und er hatte alles, was seine ihn immer in Probe nehmende Mutter
hervorbrachte, ihn darüber auszuforschen, stets mit ablehnender Gleichgültigkeit
zurück gewiesen. Die umsichtige und herrschsüchtige Frau konnte ihre sparsamen
Gefühle höchstens nur auf die Liebe der Blutsverwandten ausdehnen; doch auch
hier nur ihrem Charakter getreu, indem sie ihre Klugheit und Lebenserfahrung
geltend machte, ihre Ansichten von Glück und Wohlbefinden ihnen entweder mit dem
vollen Umgestüme des Zürnens, oder dem langsamen Wirken übler Laune und kleiner
heimlicher Ränke aufzunötigen. - Sie erlaubte sich jedes Mittel, ohne die
kleinste Unruhe ihres Gewissens, da sie durch ihr stolzes Selbstgefühl beständig
in der sichern Überzeugung gehalten ward, das Wohl des Andern zu wollen,
nämlich: was sie dafür hielt, und was annehmbar zu machen, ihrer finsteren
uneingestandenen Herrschaft schmeichelte.
    Über ein so weiches, zur Untätigkeit geneigtes Gemüt, wie das Leonin's,
die Herrschaft zu führen, schien sie sich nun vollständig berufen, und indem sie
ihm damit das Leben, das seiner träumerischen Seele leicht zu schwer ward, so
bequem als möglich machte, fühlte sie sich ihres Einflusses vollkommen
gesichert. Aber sie hatte von den schönen Keimen seiner Seele, die von einer
sich selbst nicht suchenden Liebe verstanden und gepflegt worden wären, und
durch ein ehrendes Schonen und liebevolle Ermunterung erstarkt sein würden, auch
keine Ahnung - ja, ihr Verfahren hatte bereits genug in ihm zerstört, was sie
stets in den platten, breiten Ansichten erledigt fand, er sei zu gut fürs Leben,
er müsse stets dagegen gewarnt, geschützt und eingehüllt bleiben.
    Diesen Frevel, der an ihm begangen ward und ihn verhinderte, sich zum Manne
zu entwickeln, wollen wir in unsern Gedanken fest halten, wenn wir ihn auf der
Bahn seines Lebens begleiten müssen und wünschen werden, ihn halten oder stützen
zu können gegen die Gewalt eines herrschsüchtigen Weibes, die aus
selbstsüchtiger Liebe seinen Geist unterdrücket, und sein Herz gegen Menschen
und Verhältnisse in Zweideutigkeit verstrickte. -
    Was er jetzt empfand und zur natürlichen Entwickelung kam, da er außer dem
Bereich ihres Einflusses lebte, erfasste ihn wie ein neuer Strom des Blutes. Er
genoss zuerst den Zauber, der die Seele des Mannes aus der Knospe hervorbrechen
lässt und alle Kräfte als Diener herbei ruft, den heiligen Zauber, ein weibliches
Wesen im zärtlichen Glauben an seine Kraft und im Gefühl der eigenen Schwäche
sich ihm vertrauen zu sehen, als habe damit jede Furcht auf Erden ihr Ziel
erreicht. Wer hatte bisher von ihm gewollt und gesucht, was
