, als es
Bardeloh mit dem Worte »in den Hafen« unterbrach. Friedrich nickte mit dem Kopf
und landete. Ein Geschenk von Bardeloh nahm er mit seiner gewöhnlichen,
excentrischen Freudigkeit hin, schleuderte dagegen das von mir dargereichte in
den Rhein. Bei unserm Abgange saß er schon wieder auf dem Krahn und spielte die
Violine. Der Unglückliche hat etwas Grausenerregendes für mich, das durch ein
hartnäckiges Stillschweigen über ihn noch mehr Wirkung erhält.
    Bardeloh führte mich über den Heumarkt dem Dome zu. Noch hatte ich mich aus
einer Art heiliger Scheu nicht in die Majestät dieses Riesenbaues gewagt. Alles
Kleinliche, Beengende wollte ich zuvor beseitigen, um mit reinem, heiterem Geist
eintreten zu können in das Panteon mittelaltlicher Gedankengrösse.
    »Hier gibt es auch noch etwas zu sehen,« sagte mein Begleiter. »Sobald Sie
Stimmung haben, wollen wir uns einmal in dieser monströsen Unmoralität
untertauchen. Man darf jetzt nichts unversucht lassen.«
    Diese trockene Bemerkung war mir zu seltsam, um bei meiner damaligen
Stimmung mich in ein Disput mit Bardeloh einlassen zu können. Der Dom zu Köln
»eine monströse Unmoralität!« Das ist zu rund, um es begreifen und fassen zu
können.
    Nahe dem Dome befindet sich das berühmte Wallraffsche Museum. Dorthin führte
mich Bardeloh. »Es ist nicht, um Ihnen große Merkwürdigkeiten zu zeigen,« sagte
er,»sondern bloß der Anregung wegen. Alles, was in diesen Sälen gesammelt ist,
trägt mehr den Stempel der Liebhaberei eines vermögenden Privatmannes, als den
einer wahrhaften Kunstsammlung. Aber es rüttelt doch auf, und das ist Grund
genug, ihm ein paar Stunden zu opfern.«
    Schnell durchwanderten wir die ersten Zimmer, in denen römische Vasen,
Altertümer verschiedener Art und einige merkwürdige Gemälde aus der frühesten
Zeit der deutschen Malerkunst aufbewahrt standen.
    »Das sind Alles sehr schöne Sachen für einen Kunst-Entusiasten,« sagte
Bardeloh »ein Mensch aber mit dem Orden des Weltschmerzes in der Brust kann
unmöglich großes Behagen daran finden. Zu Altertümlern sind wir Modernen
verdorben.«
    Ein anderes Zimmer ward geöffnet und Bardeloh blieb auf der Schwelle stehen.
Der Koloss des Domes warf seine Schatten herein und hüllte die hier aufgestellten
Gemälde in ein Dunkel, das dem Beschauer keineswegs günstig war.
    »Was halten Sie von diesen Gemälden, Sigismund?« fragte Richard und lehnte
sich an die Türpfosten, die Arme über der Brust kreuzend.
    »Jenes uns gegenüber ist ein großes Meisterwerk,« erwiderte ich und deutete
auf ein Gemälde, das mehr als die halbe Wand einnahm und dessen Figuren eine
fast übermenschliche Größe hatten. Die Dämmerung ließ im Anfang Licht und
Schatten sich nicht genau scheiden und ich bemerkte nur, dass ein paar Mönche die
Hauptfiguren bildeten.
    »Betrachten Sie es
