, was doch nur Bewunderung verdient!
    Sie gehen nach Amerika, habe ich gehört. Tun Sie es, Amerika ist nicht ein
Land für jedermann, wohl aber für die Meisten. Die Freiheit kann auch Sie frei
machen, die dortige industrielle Macht Ihnen geben, was grade dem Europäer fehlt
- die Frische der Spekulation, die Verständigkeit eines geregelten Naturlebens,
die gesunde Prosa des Herzens. Verschmelzen Sie diese drei Gaben des fernen
Westens mit den beglückenden Träumen, dem Überreiz Ihrer hoch gesteigerten
Kultur und der unergründlichen Poesie des deutschen Gemütes; so kann jenes
höchste Erdenglück nicht ausbleiben, das ein phantasiereicher Mensch mit dem
Worte Eden am besten bezeichnet. -
    Mein Eden, lieber Sigismund, öffnet seine Pforten nicht in Amerika. Ich
kenne jenes Land, denn ich war schon einmal dort. Es ist eben so wenig ein Land
für den Juden, als Europa. Aber die Wiege der Freiheit aller andern Völker wird
es sein und bleiben, wenigstens für die nächste Zukunft - nur der irrende Sohn
aus dem Stamme Juda ist von jenem Glück des freien Daseins ausgeschlossen. -
    Ich gehe zurück nach dem Orient, nach Syrien, nach Jerusalem!
    Teilen Sie diese Zeilen Ihrem Freunde Bardeloh mit. Der Maskenzug muss
unterbleiben, wenigstens kann der angeordnete nicht Statt finden. Ich mag und
kann nach dem Geschehenen keinen Teil daran nehmen. Die Kraft zu verschwenden
an der lächelnden oder gähnenden Ohnmacht ist Torheit. Hüten wir uns also vor
den Folgen dieser Torheit.
    In wenig Tagen verlasse ich Deutschland und Europa. Nur meine Tochter will
ich noch bestatten, d.h. ich werde sie durch Specereien der Verwesung entreißen.
Sie soll im Boden ihrer Väter ruhen. Ehe ich scheide, sehe ich Sie noch.
                                                                     Mardochai.«
    Nach diesem Geständnisse schweige ich, weil Niemand berechtigt ist, zu
sprechen, wo der Geist Gottes selbst so sichtbar die fertigen Netze der Menschen
zerreißt. Darum also häufte Bardeloh Masken und Larven in seiner Wohnung auf und
wühlte sich allnächtlich ein in die blutigen Träume seiner wirren Gedanken? Nun
fasse ich auch seine Wut bei meinem unvermuteten Eintritte in sein Kabinet,
seinen Apparat von Dolchen und andern Waffen, seinen ganzen Kirchhofs- und
Beinhauspomp! Gottlob, dass der ungeheure Plan in sich selbst zerfiel, obwohl ich
glauben möchte, ein solcher Stoß würde nicht erfolglos unser wankendes Leben
berührt haben.
                                                    Fastnacht, in der Dämmerung.
    So eben ist Kasimir's Leichnam in Bardeloh's Wohnung geschafft worden. Mir
bangt vor dem Tage; der Pöbel ist unruhig; die Freuden der Fastnacht tragen noch
mehr dazu bei und ich muss bekennen, dass ich nicht ohne bange Besorgnis dem
Abende entgegensehe.
    Bardeloh hat Mardochai's Brief gelesen. Ich war zugegen, es malte sich ein
furchtbarer Kampf
