, verwundert über dieses
Gesprächstema.
    »Das Beissen ist einem hundstollen Menschen doch auch erlaubt?« fragte
Kasimir.
    »Wenn einer die Jacke der Vernunftlosigkeit anzieht, lieber Kasimir,«
versetzte ich, »so finde ich es sehr praktisch, dass er consequent die Rolle
durchführt, die er nun einmal übernommen hat.«
    »So denk' ich auch, und das ist gut! Wie denn aber, kann ein hundstoller
Kerl nicht auch beißen, zerknirschen und zermalmen, wen er will? Oder darf er
sich just nur an das bissige Beest wenden, dem er die Toll-Virtuosität zu
verdanken hat?«
    Mich begann diese hundstolle Verhandlung zu ergötzen. »Kasimir,« sagte ich,
»meines Erachtens darf sich ein genialer Rasender ganz und gar nicht geniren,
ich wenigstens würde mich jedem Gelüst hingeben, und zerbeissen, zermalmen und
zerknirschen, was mir eben in den Weg käme. Das finde ich gentil gehandelt von
einem Tollen. Ich halte ein solches Gebahren für das vollendetste Dandyleben
eines Hundstollen.«
    »Gut,« erwiderte Kasimir, »das wollte ich nur wissen. Nun wundere Dich aber
nicht, wenn die Tollwut recht bald ganz genialiter sich gebehrden wird. Ich bin
hundstoll und habe sehr viel zu zerbeissen. Fleisch und Knochen, Haut und Haar.
'S wird sich ein höllisches Gequick erheben. - Kerl mit den genialen Ohren, Du
solltest mein Obersattelmeister werden bei dem Ritte, den ich mir jetzt eben
bestellt habe, wäre die Natur nicht eifersüchtig.«
    Lachend verließ er mich nach diesem unverständlichen Kauderwelsch, in das
ich jetzt noch keinen Sinn zu bringen weiß. Es muss ihm irgend etwas Bitteres
begegnet sein, der Himmel mag wissen, durch welchen Zufall! Übrigens zeigt er
sich seit dieser Stunde ernsthafter und gemessener als früher. Er bleibt auf
seinem »königlichen Gölterstalle,« wie er sein Zimmer nennt, arbeitet nach
seiner Weise fleißig und geht nur Abends auf wenige Minuten aus, um dreimal um
den Dom zu laufen. Dies tut er meist im Schlafrocke, ohne sich im geringsten zu
geniren, ohne Hut, oft auch ohne Stiefel oder Schuhe. Die Nacht über schreibt er
wieder, oder spielt das Geschriebene, es laut declamirend, sich selber vor.
Bardeloh sagte mir erst heute, dass er höre, wie er sich seines Talentes freue.
»Einen Mimen wie mich,« hat er letzthin gesprochen, »knetete noch keine Zeit
zurecht. Ich würde Deutschlands Bühne retten, wollte man mich nur spielen
lassen, wie der Geist meiner Arbeiten es mit sich bringt.«
    Darin will ich ihm Recht geben, der Geist seiner Arbeiten bringt es aber mit
sich, dass ein Schauspieler von gewöhnlichem Talent eben gar nichts mit einer
solchen Rolle
