 Schöpfung. Dann sollst Du sie späterhin erhalten, und wäre es mir auch
erst möglich, Dir sie von Amerika aus zuzusenden.
    dabei zeigt sich Kasimir ruhiger als früher. Nur seine Redeweise bleibt
dieselbe auch, wenn er Sara besucht, die den widerlichen Menschen immer
gewogener wird. Oder läge es wirklich in der Natur der Unschuld, dass sie so
etwas ganz außer allem Gewohnten Stehendes anziehend finden könnte, und darin
nur das Gewaltsame der Natürlichkeit erblickte, nicht das Monströse der
Karikatur, hervorgerufen durch den Gegensatz, der in der Verfeinerung der Zeit
zu Tage liegt? Es muss doch irgend so etwas sein.
    Ich treffe ihn öfters bei der schönen Jüdin und halte dann Gespräche mit
ihm, die ich lebensgern von irgend einem Geheimschreiber nachgeschrieben
wünschte. Denn das Wenige, was sich etwa im Gedächtnis davon aufbewahren lässt,
ist doch kaum nennenswert. Zuweilen kommt auch noch Friedrich dazu, der jedoch
nie spricht, wenn er nicht mit Gewalt dazu aufgefordert wird. Er spielt uns
wunderliche Tänze, Serenaden, Jammeriaden und andere Dinge vor und weiß manchmal
auf eine merkwürdig passende Weise unsere Gedanken zu accompagniren.
    Kasimir erbarmt mich. Dieser Mensch, so ganz abgestorben dem Leben der Zeit,
für das er in dem Sinne von uns Modernen durchaus keine Sympatie hat, fühlt
doch das Bedürfnis, sich anzuschließen. Er hat von jeher Alles unter die Füße
getreten und sich dadurch innerlich mit aller Welt verfeindet. Leidenschaft und
Verachtung, selbst der Natur, ließ ihn ausschweifen über die Gebühr und am
Ende auch den reinen Genuss verachten. Nun aber rächt sich die Sehnsucht danach
und die naive Natürlichkeit in Sara's Wesen hat einen Eindruck auf ihn gemacht,
der, wie die Ahnung der Liebe, sein teilnahmloses Gemüt gefangen hält. Kasimir
wird unwiderstehlich hingezogen zu Mardochai's Tochter und würde vielleicht
Erhörung finden, wäre er minder Cyniker und Mardochai nicht Sara's Vater! Ich
begreife nicht, wie sich hier irgend ein dauerndes Verhältnis gestalten soll.
Und so oft ich auch diese geschiedenen Naturen betrachte, und von Mitgefühl
hingerissen, beide verbunden wünschte, so oft zerreißt Friedrich's parodirendes
Spiel immer von neuem wieder das fertige Netz meiner Entwürfe.
    Neben diesen Beiden rumort Eduard auch wieder nach seiner Weise. Der Mensch
wird jetzt von Tag zu Tag beredter und mag es gern leiden, wenn wir ihn häufig
besuchen. Die gesunde Vernunft geht in einem Tollen eigentlich nicht unter, sie
verpuppt sich nur. Eduard spricht vernünftig, wenn man die Wortmaskerade, die er
dabei aufzuführen sich erlaubt, durchschauen kann. Solche toll gewordene Narren
sind die Schalksnarren des Himmels, ihnen steht es gar wohl an, die
entsetzlichsten Dinge auszusprechen, ohne dass sich die ehrsame
Hausbürgerlichkeit der Tugend die Schürze vor die Augen zu halten
