 über das heimliche Spiel der Seele mit Ruhe und
Unruhe. Überdies glaube ich wirklich, Rosalie wird mich mit Auguste und den
Andern begleiten. Bis zum Mai ist es ja noch lange hin!
    Seit Bardeloh so bestimmt fast jeden Verkehr mit mir abgebrochen hat, macht
es mir ein peinigendes Vergnügen mich etwas angelegentlicher mit Kasimir, Eduard
und Friedrich zu beschäftigen. Das ist ein Triumvirat, wie es wohl nicht gleich
wieder zusammentreten möchte. - Kasimir wird zu Grunde gehen! Das fühle ich tief
und schmerzlich, aber er kann nicht ausdauern in unserer Zeit, selbst nicht in
Amerika. Es gibt eine Art des geistigen Versinkens in geniale Tollheiten, das
fast eben so widerlich ist, als ein sinnlich-tierisches Verschlammen. Sobald
sich ein Mensch heraus nimmt, mit dem Geist der Weltgeschichte (Gott mag ich
hier nicht sagen) »Kämmerchen vermieten« zu spielen und dabei unanständige
Gebärden zu machen, wahnsinnige Fratzen zu schneiden, so schüttelt er die
Menschheit freiwillig ab. Hat er Glück bei diesem Manöver, so wird er ein
grossartiges Vieh! Höher aber kann er es nicht bringen. Auf diesem Punkt ist
Kasimir angekommen. In ihm waltet eigentlich nichts wahrhaft Heiliges mehr, nur
einzelne Funken, die sich vom rein Göttlichen etwa noch in ihm herumtreiben,
blitzen zuweilen durch die scheussliche Nacht seines chaotisch gewordenen
Geistes. Das ist kein Wahnsinn, auch nicht Blödsinn, es ist die Brunst eines
Genies, das geil geworden ist in unerlaubt raffinirten Schöpfergedanken.
Kasimir's Geist - erlaube den etwas starken Ausdruck - meckert sich selbst an,
wie ein brünstiger Bock - kann dabei etwas Anderes herauskommen, als das pure
Nichts? Eine geistige Schöpfung Kasimir's ist eine Zote, die aussieht, als hätte
sie die ungezähmte Geistigkeit, oder die schaffende Natur gerissen, in einem
Augenblicke, wo die ordnende Kraft sich von ihr entfernte. Und auf diese geniale
Seelenraserei bildet sich der ideenbesoffene Mensch noch etwas ein! Seinen
»Besuch Gottes in der Hölle, eine Tragödie mit umgekehrten Lettern,« wie er das
Ding nennt, hält er für das größte Product, was je geboren worden ist. Das
confuseste, vielleicht auch das wahnsinnigst genialste mag es unbedingt sein,
aber nur kein Kunstwerk, nur nicht schön! Es ist das Hässlichste, was ich kenne,
es kann die Grundzüge entwerfen helfen zu einer wissenschaftlich scharfsinnigen
Lehre vom Hässlichen. - Und das Ding will Bardeloh drucken lassen! »Es muss in die
Welt,« sagt der starre Mann, »damit Europa sieht, was aus ihm werden kann, wenn
eben nichts aus ihm wird.« -
    Das ist sehr witzig von Richard und um diesen Preis muss man dem tollen
Treiben schon billiger zusehen. Vielleicht bewege ich Kasimir zur Mitteilung
seiner
