,« fuhr ich eifriger und
warmer fort, »und achten Sie das Wort eines Christen wenigstens eben so hoch,
als die schlaue Rede eines zweideutigen Juden. Mardochai ist ein großer Geist,
aber kein edler Mensch. Mardochai lebt bloß der Rache!«
    »Glauben Sie mir denn damit etwas Neues zu sagen?«
    »Nicht im Allgemeinen, wohl aber im Speciellen.«
    »So reden Sie!«
    »Mardochai,« fuhr ich fort, »sinnt auf irgend eine Tat, womit er der großen
Menge öffentlich Anstoß geben kann, wie er dies schon früher in der Stille
getan hat. Erinnern Sie sich an Gleichmut's Manuskript!«
    »Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis, lieber Sigismund. Was haben Sie sonst
noch entdeckt?«
    »Ist das Gesagte nicht genug? Oder wollen Sie etwa auch ein bloßes Werkzeug
der Rache werden in der Hand des Juden?«
    Ein verächtliches Lächeln spielte um Bardeloh's Mund. »Dieser Sorge hätten
Sie sich doch wohl entschlagen können,« erwiderte er. »Mich äfft kein Mensch,
nur der Zeit könnte es gelingen, durch einen schnellen Umschwung meine
Berechnungen zu vernichten. Darüber würde ich mich aber freuen. Ich weiß, was
ich will, Sigismund, weiß, was der Jude treibt und bin einig mit ihm. Und nun,
Lieber, schweigen Sie still und stören Sie nicht meine festgezogenen Kreise.
Gehen Sie nach Amerika, wenn Sie zu feig sind, auszuhalten bis zum letzten
Atemzuge in unserm hilfsbedürftigen Vaterlande. Der Starke versucht Alles,
bevor er Alles aufgibt. Das ist mein Glaubensbekenntnis, dem sich das
Mardochai's anschliesst, obgleich dieser Mann des Schicksals nicht nur die
Gegenwart zu berichtigen, sondern auch noch die Vergangenheit zu sühnen hat.
Gehen Sie, ich höre ihn kommen. Sie werden es noch erleben, dass ich kein
Feigling bin, noch weniger ein Betrogener. Gehen Sie! Ihre Gegenwart wäre
überflüssig bei unsern Verhandlungen, weil Sie wohl die Zeit begreifen, aber noch
lange nicht ihre unendlichen Schmerzen in sich durchgelebt haben.«
    Fast gewaltsam drängte mich der rätselhafte Mann fort. An der Tür
begegnete ich dem Juden. Ich war froh, als die Unheimlichen meinen Blicken
entschwanden. -
    So scheitert an der unerbittlichen Hartnäckigkeit dieses Mannes jeder
Versuch, ihn zu stillem, besonnenen Handeln zu nötigen, in dem ich, wie nun
eben die Zeit vorliegt, doch das einzige sichere Heil erblicke, so wenig auch
mein eigenes Naturell sich mit langsamem Umhertasten vereinbaren lässt. Gern will
ich zugestehen, dass es beleidigend ist für einen reifen Geist, immer nur die
Feinde siegen zu sehen, aber wo hinaus mit dem Sturm und Drange, selbst, wenn er
nur heimlich sich austobt? Die
