 wäre prächtig!« rief Felix aus. »Das Schauspielern habe ich immer
geliebt. Ich wollte meine Rolle gewiss recht gut auswendig lernen. Gib mir sie
nur bei Zeiten, Vater.«
    »Zu gehöriger Zeit,« versetzte Bardeloh und lenkte das Gespräch auf andere
Gegenstände.
    Eine unbezwingbare Unruhe trieb mich fort. Ich ging zu Gleichmut, um von
ihm zu erfahren, was er etwa selbst wissen konnte. Ich erzählte dem Pastor
Bardeloh's Äußerung, erwähnte seines häufigen Verkehrs mit dem Juden und der
Besorgnisse, die ich daran zu knüpfen mich bewegen fühlte.
    »Lassen Sie geschehen, was immer will,« versetzte Gleichmut. »Dies allein
kann hier oder dort zum Ziele führen. Nur kein eigenmächtiges Eingreifen in das
Handeln Anderer! Es steht jeder Einzelne in der Hand der Weltgeschichte, die ihn
führt und leitet, und die Gerechtigkeit fällt so von selbst aus dem Konflict der
verschiedensten Handlungen heraus, dass es wahnsinnig sein würde, wollte hier
Dieser oder Jener hemmend oder beschleunigend eingreifen. Ich ahne Bardeloh's
Tun, aber ich werde kein Tor sein und es verraten. Es ist gut, weil es der
Notwendigkeit, der Krisis der Zeitbewegung, angehört.«
    All mein ferneres Experimentiren blieb vergeblich. Der Pastor schwieg
hartnäckig über dieses Thema und sprach von seiner Geschichte der Heiligen.
»Diese Arbeit,« sagte er, »wird meinem Namen dereinst Renomée verschaffen bei
den Deutschen. Darüber vergisst man sogar mein Leben. O, es ist gar nicht so
übel, mit wissenschaftlichem Charpie die Wunden seines zerschlagenen, geistigen
Lebens sauber zu verstopfen!«
    Wich verdrossen die ausweichenden Antworten des Pastors. Aergerlich besuchte
ich Sara, die noch immer auf ihrem süßen Wahne beharrt. Das Kind erbarmt mich
und doch kenne ich kein Mittel, es zu heilen. Wäre Mardochai ein Anderer, so
wäre dem Mädchen schnell geholfen; ich kann aber diesem stolzen Rachegeist nicht
die Schuhriemen lösen. Härte gebiert Härte, und müsste Sara, dieser Engel der
Unschuld, als Sühnopfer fallen für viele, himmelschreiende Frevel, es könnte
mich nicht bewegen auch nur ein heimliches Wort dem Juden zu gönnen.
    Die Liebe plaudert gern aus, Sara verriet mir, was sie wusste von dem Tun
ihres geheimnisvollen Vaters. »Du glaubst es gar nicht,« sagte das liebe Kind,
»wie beschäftigt der Vater jetzt ist. Alle Tage kommen eine große, große Menge
von Deinen Brüdern zu ihm, um zum großen Firmelungsfeste oder wie sie's sonst
heißen, blanke Schmucksachen zu kaufen. Und der Vater ist so freundlich dabei
und so gut! Du solltest ihn nur sehen, wie glücklich er lächelt und wie er
manchmal ein Stück Geld wieder zurückgibt. Alle Christen handeln gern mit meinem
Vater,
