 solches Schwelgen in Glanz und Herrlichkeit der Welt aus
reinem Ekel an der schimmernden Schale ist neu und charakterisirt das Karikirte
an unserer Epoche. Es sucht Jeder seinen Gram auszutoben, aber die Wege und
Mittel, die man ergreift, sind in der Tat noch unerklärlicher als das Übel
selbst. Nie bin ich einem solchen Gegner der Zivilisation begegnet, wie er sich
in diesem Bardeloh darstellt. Selbst gebildet bis auf den Gipfelpunct der
feinsten Weltsitte, verachtet und hasst er diese Bildung, man möchte fast meinen,
aus Idiosynkrasie. Ich will nicht zweifeln, dass Bardeloh alle Kraft in sich
besitzt, Großes zu wirken, sich aber gelähmt fühlt in dem Zwange äußerer
Schranken. Es gibt Geister, die nur dann in der Sonnenhelle ihrer innern
Reinheit heraustreten können in die Welt, wenn auch der leiseste Schimmer eines
behindernden Ansichhaltens verglommen ist. Sie sind zu klar in sich, um im
Sturme eines wilden Genies, unbekümmert um den Erfolg, die flimmernden Meteore
ihres Gedankenlebens von sich zu schleudern, und müssen dann leider eingesenkt
in die Qual des schaffenden Gedankens, mit der unbezwinglichen Glut einer
großen Lebenskraft sich selbst elend verzehren. Unter diese Unglücklichen rechne
ich Bardeloh. Seine ganze Gestalt, die verglühte Blässe des in Traum gestürzten
Gedankens auf seinem Gesicht sind laute Verkündiger der Pein, die ihn sicher
vernichtet. Und so muss ich ihm recht geben, wenn er, von sich auf Andere
schließend, das Leben nur wie einen Fluch betrachtet, den das wandernde
Geschlecht noch nicht völlig zu sühnen vermocht hat.
    Mit dem Gefühl der Ohnmacht entfernte ich mich und schlich zurück auf mein
Zimmer. Die Unterredung gab Stoff genug zu stillem Denken, und ließ ich einen
Blick durch's Fenster auf den Dom fallen, der im Mondglanz still und hehr in den
dunklen Nachthimmel emporstieg, ward die Geschichte lebendig in jedem Schnörkel
und Säulenschaft, an denen Jahrhunderte mit derselben Sonne auf und
niedergegangen sind. Wieder rief es laut in mir nach einer Tat, diesem einzigen
Retter aus der Verwirrung gegenwärtiger, schlaffer Zustände. Möchte nur das Wie
herabfallen in die Gemüter der Menschen wie ein schöner froher Traum! Denn mit
all unserm Ringen wird der heilige Moment nicht erhascht, der doch unentbehrlich
ist zum Gelingen.
    Die Doctrin des Hasses baut Bardeloh an in der verschlossenen Einsamkeit
seiner Zelle. In sie vergräbt er sich, wenn die Nacht mit heiligem Düster die
halbzertrümmerte Stadt umfängt. Dann sitzt der äußerlich kalte, innerlich aber
glühende Mann vor dem geöffneten Tapetenschranke und rechnet der Welt, beim
Geistesflackern seiner Todtenlampe, die Sekunden ihres armen Lebens nach. Dann
brütet er still über der Möglichkeit einer Tat, die ihn und, wie er meint, auch
die Gesammteit retten könnte. Und draußen schleicht und klimmt der Mond wie das
verspätete Grubenlicht
