
prangte mit seinem blassen Todtenfahl auf den Gesichtern derselben. Burton
mischte sich unter sie, fragte, in welchem Staat sie sich niederzulassen
gedächten, welche Mittel ihnen zu Gebote ständen und Anderes. Die Antworten
fielen sehr dürftig aus. Nur Wenige konnten mit Mühe die Überfahrtskosten
bestreiten. Die ganze Gesellschaft hatte in Rotterdam ein Schiff gemietet, das
sie der neuen Welt entgegen führen sollte. Burton kannte das Fahrzeug, es war
leck, im höchsten Grade gebrechlich und nur beim unwahrscheinlichsten Glück,
noch dazu so spät im Jahre, eine günstige Fahrt denkbar.
    »Es ist entsetzlich,« sprach der Amerikaner, »mit welchem Leichtsinn man die
Auswanderer den Launen des Meeres übergibt. Die sittenlose Spekulation der
Rheder verdiente mit Todesstrafe belegt zu werden, und übten die Behörden immer
mit mildem Sinn und nach dem Buchstaben die Gerechtigkeit aus, so müssten sie
darauf sehen, denjenigen ihrer Untertanen, die Not und Unglück aus dem
geliebten Mutterlande vertreiben, auch ein sicheres Geleit über das Meer zu
geben. Man glaubt es kaum, wie viele Tausende elend zu Grunde gehen! Der
Leichtsinn nimmt mächtig sehr überhand, alle Jahre steigt die Zahl der
unglücklichen Opfer, die durch die Sorglosigkeit egoistischer Speculanten
entweder den Wellen oder dem Hunger Preis gegeben werden. Diese Armen hier
werden ein gewisser Raub des Elementes, wenn sie sich jenem Fahrzeug
anvertrauen. Allein es soll nicht geschehen! Ich kenne den Besitzer, ich werde
ihm schreiben und über ein anderes Schiff disponiren, das fest und ein
Schnellsegler ist. Den Armen soll geholfen werden. Es sind mächtig brave Leute.
Solcher Menschen bedarf Amerika. Ihre Nachkommen werden dereinst Europa wieder
segnen helfen.« -
    Die edle Uneigennützigkeit des Amerikaners erwarb ihm meine höchste Achtung.
Ich zweifle gar nicht, dass ein so kräftig gesunder Sinn nicht Allgemeingut der
Nordamerikaner ist, in ihm aber spricht sich die unerschütterliche
Tugendhaftigkeit eines wahrhaftigen Republikaners aus, das heißt eines Menschen,
der frei ist in politischer, socialer und religiöser Beziehung; und solche
Menschen kennt nur Amerika. -
    Burton zauderte nicht. Er ließ sich den Anführer der Gesellschaft
vorstellen. Es war ein Greis von beinahe siebzig Jahren. Er hatte sein kleines
Gütchen verkauft in Württemberg und mit seinen Kindern und Enkeln, einer
Seelenzahl von einigen Dreißig, den Entschluss gefasst, nach Amerika zu gehen.
Land hatte er noch nicht gekauft, nur vorläufig sich am Delaware bei einem
früheren Auswanderer auf zwei Monate ein Unterkommen ausbedungen. Der Mann hieß
Tannenstädt.
    »Mir wird's freilich schwer,« sagte der Greis, »mein liebes Deutschland zu
verlassen. Was kann's aber helfen? Die Zukunft ist so düster, dass ich fürchten
muss, meine Kinder und Kindeskinder verwünschen mich noch im Grabe, wenn sie
einst bettelnd von Tür
