. Das
wunderliche Mädchen ist in der Tat zu verführerisch, um es mit kaltem Blute
betrachten zu können. Es lag eine offene Einladung in ihrem Blicke, ihr ganzes
Auge war eine mit Lächeln dargereichte Visitenkarte. Ein Wink von mir diente als
Antwort und ruhig ging ich weiter mit dem plaudernden Felix.
    »Das ist recht meine Lust,« sagte der Knabe, als wir der Bellevue
vorübergingen. Unter lustigen Menschen bin ich lebensgern, lache und springe und
singe mit ihnen, und vergesse alles Hässliche, was mich zu Hause immer so
trübsinnig macht. Begreifen kann ich's doch nicht, warum der Vater immer so
verdrießlich ist und die Mutter weinen macht. Wir könnten recht lustig sein,
wenn wir viel spazieren gingen und die Natur mehr liebten.
    »Freilich,« erwiderte ich, »die Natur aber kann nicht jeden Mangel
ersetzen, liebes Kind, den wir im Herzen fühlen, und dessen Ursprung in dem zu
finden ist, was man Leben und Welt nennt.«
    »Nun das mag sein, Sigismund, ich kann es aber nicht glauben, dass ein Mensch
heiter werde, so lange er bloß in der trüben Stube sitzt.«
    »Eben darum nehme ich Dich mit in die offene Natur, unter Volksjubel und
Festesfreuden. Du wirst Dir schon Heiterkeit sammeln für die nächsten acht
Tage.«
    »Schade, dass wir den Bruder Bonifacius nicht mitgenommen haben, fiel der
Knabe ein. Dem würde die Luft erst recht gut tun und das Lachen und Scherzen
der Kinder. Lass mich umkehren, Sigismund, ich will ihn herüberbringen.
    Wenige Worte genügten, den gutmütigen Knaben davon zurückzubringen. Wir
hatten die Gesellschaftsorte erreicht, Spiel, Gesang, Festjubel schallte uns
entgegen, bunte, lachende Menschengruppen wandelten sorglos umher, die
blinkenden Römer in den Händen.
    Felix war unermüdlich, er hüpfte von Laube zu Laube, knüpfte mit Jedermann
ein Gespräch an und ward Allen lieb und wert. Viele der Anwesenden kannten den
Knaben schon und bedauerten mit Achselzucken, dass grade Bardeloh sein Vater sei.
Der Mann ist zwar unermesslich reich, sagten sie, aber nicht minder unermesslich
unglücklich. Das kommt heraus vom Kosmopolitismus und übertriebener
Menschenliebe.«
    »Ja,« fiel ein dicker Weinküper ein, »dies kosmopolitische Unwesen taugt
nicht hier in unser Land. Wir wollen trinken und leben, uns nicht um die
Elendigkeiten von Hinz und Kunz viel bekümmern. Reines Haus halten war immer die
Hauptsache und wird's bleiben, so lange ein ehrlich gefülltes Weinglas Herz und
Auge erfreut. Bleibt mir mit der Kosmopolitik vom Leibe, die pure, simple
Politik macht mir schon Kolikbeschwerden.«
    Es fanden sich viele solche echtdeutsche Sauerkrautphilister zusammen, und
käme es bei einem wahrhaftigen Urteilsspruch auf die Menge
