 Das bringt der Pietist jedoch bei seinen
sonstigen geistigen Vorzügen, wie er den dummen Glauben des Blödsinnigen nennt,
nicht in Anschlag. Wäre ich dem geistigen Narrentum so verwandt, wie Friedrich,
so zweifelte ich gar nicht an meinem Glück.«
    »Man könnte vor Lachen sterben,« sprach ich, »wenn eine solche Erscheinung
nicht gar zu niederschlagend wäre und die Versunkenheit des Zeitalters wieder
von einer neuen Seite dem umsichtigen Geiste näher brächte.«
    »Ja wahrlich!« seufzte Oskar, »und gebe der Himmel, dass der Alte Vernunft
annimmt, denn bei Gott, erlaubt sich der blöde Narr, in dem bei aller Dummheit
zuweilen doch eine gesunde Sinnlichkeit die geistige Schwäche aufhebt, nur eine
einzige Freiheit, so ist er meiner gewissesten Rache verfallen!«
    »Keine Übereilung,« bat ich den Heftigen. Friedrich kann Ihnen nicht
gefährlich werden.
    »Doch, doch!« beteuerte dumpf der Liebende. »Wüssten Sie, was ihn töricht
gemacht hat, Sie würden meine Unruhe mit mir teilen.«
    »Erzählen Sie,« bat ich, indem mein Gedächtnis Alles wiederholte, was ich
jüngst in Gleichmut's Biographie über diesen noch so rätselhaften Menschen
erfahren hatte. »Sagen Sie mir,« fuhr ich fort, »was Sie von Friedrich's
Schicksalen wissen, vielleicht steht es dann auch in meiner Macht, Ihnen
Aufschlüsse zu geben und zu Ihrer Beruhigung beizutragen.«
    »Guten Abend!« sprach dicht neben uns eine sonore Männerstimme. Die hohe,
dunkle Gestalt des Juden im faltigen Kaftan strich wie ein Schatten in der
Dämmerung an uns vorüber. Mardochai ging dem Krahne zu, neben dem viele mit dem
Dampfboot angekommene Kisten und Ballen standen.
    »Kennen Sie diesen?« fragte Oskar.
    »Ich glaube genauer, als Sie, und tiefer, als er selbst es ahnt.«
    »Dann wenden Sie sich an ihn. Er allein kann die Hülle von Friedrich's
blödem Leben ziehen, wenn er Lust dazu hat.«
    »Wollen wir ihn aufsuchen?«
    »Halten wir uns in seiner Nähe, bis er jene Ballen gezeichnet und in
Sicherheit gebracht hat. Es sind neue Handelsartikel vielleicht aus beiden
Indien und Gott weiß, woher sonst noch! Sobald er seine Geschäfte beendigt hat,
folgen wir ihm auf dem Fuße nach seiner Wohnung. Ich hoffe er wird aufrichtig
sein. Mardochai ist kein gewöhnlicher Jude.«
    Ich wusste das Letztere genau genug und wartete mit Ungeduld auf das Ende der
Besichtigung, die der Jude den Kisten und Ballen mit ungemeiner Sorgfalt zu
Teil werden ließ. Die Nacht brach darüber ein, der Strom ward stiller, nur
wenige Kähne gauckelten mit ihren weißen Segeln noch über die bewegte Fläche,
aus der die Sternbilder
