, geistig
verschiedensten Personen zusammenzuknüpfen durch einen Blick, einen Moment, um
sie an diesem Funken langsam hinschmelzen zu lassen auf der Folterbank eines
ewigen Schweigens. Das ist grässlich, das ist lieblos, das ist europäisch, wie
ich fühle. Nur hierin hat Bardeloh recht und Du oben drein. Aber ich bitte mir
aus, mich nicht etwa auf gleiche Weise zu behandeln! Sigismund, Du kämst dabei
ganz in das Hintertreffen! Mein Arm ist stark, meine Hand sehr elastisch, meine
Lippe verführerisch - aber sie verbirgt sehr spitze Zähne. Diese fürchte, mein
Teurer, und noch mehr die Angst meines Herzens. - Garstiger, warum kannst Du
mich auch so lange warten lassen!
    Bitte, Sigismund, heute Abend - darf ich glücklich sein im Hoffen? -
Klapperbein flicht heut keine Körbe. Er ist nach Mühlheim gefahren und wird uns
nicht stören. Weißt Du schon die Geschichte mit Lucie? Das kommt Alles her von
dem unseligen Kopfhängen. Wenn wird wohl die Zeit vom Himmel herabfallen, in der
es erlaubt ist, heiter zu sein ohne Entschuldigungsgründe?
    Wenn Du recht liebenswürdig bist, habe ich Dir etwas Großes zu schenken. Nun
rate! - Du rätst es aber doch nicht. - So lockt man hungrige Vögel.«
                                                                  Deine Auguste.
    »Ich war sehr glücklich, Ferdinand, glücklicher als ich je gewesen in meinem
ganzen Leben. Die wenigen Tage schienen das reizende Kind mit neuem Glanz
übergossen zu haben. Diese hohe Gestalt war wert, die Königin eines
Nichteuropäers zu sein. Ich war so frei, mich in dem Stolze meiner Hoffnungen
als weit verschlagen aus Europa zu betrachten, und sog vom Munde der Geliebten
die Kraft für ein hundertjähriges Wirken. Und Auguste hatte mir etwas Großes zu
schenken und schenkte mir es. Und ich war ein Gott in ihrem Arm und der Himmel
war mir zu dunkel, die Sonne zu kalt. Liebe, Ferdinand, denn Liebe erlös't! Dass
wir so tief gesunken sind, daran ist nur der Verlust der wahrhaftigen Liebe in
unserm Europa schuld. Der Poesie der Zukunft muss es vorbehalten sein, diese
wiederzugeben dem Leben. Auguste hat Recht, wie jedes Weib, das frei und rein
ist in seiner unschuldigen Weltanschauung. Ehe man nicht allgemein erkannt hat,
dass ohne ein unbedingtes Hingeben an die Natur der Liebe all unser
Emancipationsbestreben bloß eine Experimentalphysik der Weltgeschichte ist, darf
keiner auf einen glücklichen Ausgang hoffen. Die Hoffnung ist überhaupt tot und
farblos, nur die Liebe macht stark, ruft auf zur Handlung und schiebt der
Zukunft das Polster der Freiheit unter das träumende Haupt. Rege die Hand,
Ferdinand, damit Du Teil haben kannst an dem Freudenruf, der sich erheben wird
beim ersten Aufblick des heiligen, lang verschlossenen Auges
