
stiften, und schreibe ein Prairiendrama, in dem Büffel die Rolle des Narren
spielen sollen. Es werden stössige Narren werden und die Erde soll zittern vor
ihren Witzen.
    Gott befohlen, mein lieber Hostieur - sieh das Wort recht an, denn es ist
ganz buttersemmelweich - und sei kein Narr, wenn der Teufel die Messglocke zieht.
                            Dein collossaler Mensch,
                                                               genannt Kasimir.«
    »Von meinen sonstigen Bekannten war jetzt nur noch Friedrich übrig
geblieben. Dieser Mensch, der von Mardochai's Geist aufrecht gehalten ward, floh
mich seit jener entsetzlichen Nacht, wo er die Geige spielte, während ich den
sündengebrochenen Leib wieder auffütterte mit der dargereichten Arzenei. In ihm
hatte die Natur nicht so viel trotzige Kraft gelegt, dass vermögend gewesen wäre,
jedem gewaltigen Eindrucke zu widerstehen. Er ward still und schlich um die
Kirchtüren, wie die reuige Sünde, die ihren Gott sucht, an dem sie einst
glaubte. Es vergingen einige Wochen und Mardochai sagte mir, Friedrich sei ein
Frommer geworden, ein Pietist! Er hielt lange Reden in den Versammlungen der
Feinen, wie man die Auserwählten des Himmels nannte, und war angesehen bei
ihnen. Zuweilen unterhielt er die fromme Schaar auch durch sein vortreffliches
Geigenspiel, in dem allein noch eine frische Weltlust lebte.
    Mardochai hätte bei diesem Abfall eines seiner vertrauten Freunde eigentlich
den Kopf schütteln oder sich kräftig in's Mittel legen müssen. Dennoch geschah
von alle dem nichts. Vielmehr schien diese Art, sich dem Leben zu entfremden und
den eigenen Geist einzusargen in die schwüle Atmosphäre einer tödtenden Liebelei
der Seele mit dem heiligen Geiste, ganz nach seinem Sinne. Der entsetzliche
Mensch, glaube ich, ahnte, wohin es kommen würde mit Friedrich. Das
Geschehenlassen war nur ein Grundstein mehr zu dem großen Kolosseum, das sich
seine raffinirte Rache erbaute auf und im Christentume.
    Mein eigenes Leben, abgeschwächt in sinnlichen Genüssen, raffte sich
zusammen und gebar aus Trotz eine Opposition, die selbst Mardochai gegenüber
ihre Kraft bewährte. Ich war, obwohl körperlich erschlafft, doch geistig regsam
genug, um nun aus Verzweiflung an mir, an dem Leben, an Gott und Christentum,
ein eifriger Streiter zu werden für das, was mir doch nur als schöner Tand vor
dem Auge flimmerte. Als ich nicht mehr sündigen konnte, durfte ich getrost über
die Sünde zu Gericht sitzen. Ich war ein unparteischer Richter. - Tot und
begraben lag in mir die Heiligkeit des ewigen Menschen. Auf seinem Leichnam
schwebte hin und her, wie der ölige Dunst eines Irrlichtes auf feuchtem Moor,
der Geist meines Lebens, halb beleuchtend mit dem getrübten Scheine die
Grabstätte seines Friedens, und halb hinaufbetend mit flammender Zunge zu dem
gnadenreichen Himmel. Ich ward ein sehr frommer Mann, weil ich
