, die Jahr aus Jahr ein von dem Totengräber der
Zeit herüber und hinüber gekollert wird und täglich mehr schadhafte Stellen
kriegt. Er hat sich den Kopf abgebissen vor Wut über das törichte Herz.
Gebleicht von der Hitze der Jahrtausende liegt er nun modernd im Weltraum, der
Gott kollert ihn hinüber herüber, aber es bleibt immer ein Schädel. Schlägt er
ihm die Backenknochen, so gähnt das hirnlose Ding und weist ihm die Zähne, auf
denen Haare gewachsen sind, die Künsteleien des Friseurs der Verwesung. Gibt das
Anklang? Hat ein hohler Schorb ein Echo? Wenn doch der Welt ein neuer Kopf
wüchse!«
    »Das wäre allerdings sehr wünschenswert, lieber Kasimir, indes, da es nun
einmal nicht geschieht, so lass uns mit Hand an's Werk legen.«
    »Das Geschäft der Barbiere ist mir immer zuwider gewesen,« versetzte
Kasimir. »Ich möchte nicht einmal den Heiligen ihre Bärte verstutzen, wie viel
weniger - - brr! bleib mir vom Leibe.«
    »Du bist ungerecht, Kasimir, und machst Dich unglücklich durch das
unverhüllt Grandiose, das in Dir lebt. Schleife den Riesenedelstein Deines
Geistes, so trägt Dich die Welt auf Sternenkränzen zum Himmel.«
    »Soll ich eine Eisenbahn aus mir machen lassen, damit jeder
Schornsteinfegerjunge Nutzen ziehen kann von mir? Das vermaledeite Nivelliren
ist der Blutegel des Genie's. Geht's so fort, wird bald eine Zeit kommen, wo ein
Genie so teuer ist und rar, wie eine pommerische Gänsebrust. Euer
demokratisches Hüsteln taugt nichts. Es ist die Schwindsuchtcur der Völker.
Kranke Lungen sollen am Besten heilen im Dunst der Viehställe. Da müsst Ihr
gesund werden bei Zeiten, denn Euer ganzes Treiben ist eine
Viehstallwirtschaft.«
    »Dich zwingt Niemand Demokrat zu sein,« erwiderte Bardeloh. »Besingst Du
den Stolz und Glanz königlicher Zeiten, wird keiner Dich tadeln; aber fasse das
Gold des Gedankens in einen silbernen Reif. Ohne Scheidemüuze kommt Keiner mehr
durch die Welt.«
    »Ei so will ich ein Goldfresser werden und mich mästen mit meinen eigenen
Gedanken. Der Abfall meines Leibes wird dann die goldsüchtigen Leute gierig
machen.«
    »Was hast Du denn da unter den Füßen?« fragte Bardeloh.
    »Meine Eingeweide.«
    »Und Du zitterst nicht vor dem Gedanken dieses geistigen Selbstmordes?«
    »Wer sagt das! Nicht ich! Ich mache Würste d'raus. Gedankenwurst ist noch
nicht dagewesen; ein neuer Gastwirt könnte sein Glück damit machen.«
    »Ich werde nicht zugeben, lieber Kasimir, dass Du Dich selbst zu Tode
folterst Diese Papiere lasse ich drucken auf meine Kosten und Du wirst berühmt
werden.«
    »Am Galgen?« fragte Kasimir mit wegwerfenden Lächeln
