 geistesarme, beschränkte Menschen, denen eine dereinstige Anstellung und
leiblich solides Auskommen das höchste Ziel aller Wünsche blieb. - Glückliche
Einfalt, Göttin der Dummheit, warum verehrst du nicht Jedermann bei Zeiten eine
warm wattirte Schlafmütze, dieses Ruhekissen der Gedanken, unter deren Knistern
wohltätiger Schlaf auf die armen Schlucker herabfallt? - Die Wenigen, deren
gleiche Zweifel die Seele zerrissen, wussten nur auf ähnlichem Wege mit mir
Befriedigung zu finden. -
    Immer damit beschäftigt, ein Mittel ausfindig zu machen, das geeignet sein
könnte, die Welt aus jener misslichen Lage zu befreien, in die sie gerückt worden
ist durch verstellte Frömmigkeit und unbegriffenen Bekehrungseifer, glaubte ich
es gefunden zu haben in dem stillen Untergraben der Gläubigkeit. Man darf nur
gleichgültig, teilnahmlos auftreten, um Kälte zu erzeugen. Das tötet, das
mattet wenigstens ab, und wo Schlaffheit eintritt, ist der umgestaltenden Kraft
bedeutend vorgearbeitet.
    Mit dieser Überzeugung ward und blieb ich Teolog. Mein Leben unterwarf ich
keiner Änderung. Ich setzte es jetzt aus Verachtung der zukünftigen
Abgeschlossenheit fort, wie ich es früher begonnen in begeisterter Liebe.
Seltsam nur und bitter ironisch war mir der Gedanke, dass ich gerade im
Gegensatze von dem, was Eduard als Heiligendes und Vollendendes anerkennen zu
müssen glaubte, meine Heiligung und Vollendung ohne langes Suchen gefunden
hatte. Ich sehe mit Verlangen dem Ablaufe des fünfzehnjährigen Cyclus entgegen,
um Gewissheit darüber zu erlangen, wer von uns beiden der Glücklichere geworden
sein wird.« -
    Hier breche ich abermals ab, Du wirst ohnehin genug zu denken finden an dem
Mitgeteilten. Der Arme, er ahnt noch nicht, dass ein unseliges Geschick ihn
selbst triumphiren ließ über den frommen Wahn des Andern. Eduard ist jener tolle
Mönch Bonifacius, den ich aus dem Kloster gerettet habe, den die rasend
gewordene Sinnlichkeit, zum Mörder seines Priors gemacht, in dem ich seinen
Verführer zu erkennen glaube.
    Mardochai aber, Mardochai, Du bist ein entsetzlicher Mensch! Denn glaube
mir, Raimund, dass nur Rache an dem Christentum diesen stolzen Geist einen
Glauben erfinden ließ, der bei einzelnen Wahrheiten ein blendendes Gewebe
verführerischer Dialektik ist! Ich kann nicht glauben, dass Gleichmut, dieser
Mensch der Besonnenheit, jetzt den Betrug nicht merken sollte. Mardochai hat
sich in der Tat Shylok zum Muster genommen und sein Pfund gerissen aus der
Brust des Christentums als Zinsen der Rache. Er hat einen seiner edelsten Söhne
an den Rand des Verderbens gelockt und als Aschenhaufen mit kümmerlicher Flamme
wie ein Irrlicht daran herumgaukeln lassen, um ewig zu zittern vor der Angst des
Todes! Es ist eine große, poetische Rache des Judentums, aber dennoch
entsetzlich! Und nun ist dieser Mardochai ein Handelsmann geworden! Wie liegt
hier Ironie neben Ironie; wie springt ein verzweifelter Humor mit hellem
