 nun haben sie einen Glauben, den nichts erschüttern kann. Wenn der Tag
seinen Schaum heranspült und das Bild des Liebsten verunreinigt; wenn die Laune
kommt und das Sonderbare, Dumpfe, so sprechen sie: Das ist nicht Oswald, das ist
nicht Lisbeth, das ist der Zufall. Eines ist für das andere nur da in der
schönen Figur jener akademischen Zeit ihrer Liebe.
    Nach allen Seiten hin erbaut sie die Ehe, die den Namen einer heiligen
verdient. Denn sie haben einander einen Doppelschwur geleistet ohne Worte. Eins
wollen sie sein und bleiben, aber eins im Leben und in der Welt, nicht sich
versteckend vor Leben und Welt. Mit Liebe wollen sie den stumpfen Widerstand der
Materie überwinden. Der ist groß. Denn ihr Schritt hat freilich in alle
Verhältnisse den tiefsten Riss gemacht. Man lässt Lisbets Liebenswürdigkeit zwar
gelten, aber das Findelkind bleibt ihnen doch ein Findelkind. Die Bekannten
haben gestutzt, die Freunde getrauert, die Familie ist außer sich gewesen,
habsüchtige Vettern schielten froh nach der Zukunft. Zwischen diesen dürren
Klippen, in solcher Wildnis ist ihnen die Aufgabe gesetzt, den Garten eines
schönen, fruchttragenden Lebens auszusäen. Daher hat denn ihre Geschichte nur
erst begonnen. Überallhin müssen sie sich aufstellen, jeden Schatz aus sich
zutage fördern, sie müssen sich vollenden für die Welt und für die Zwecke der
Welt, um das Recht des Herzens darzulegen.
    »Eine Liebesgeschichte und nichts weiter!« werden manche sagen. Wenn es
nichts weiter wurde, so ist daran meine geringe Fähigkeit, nicht mein Sinn
schuld. Mein Sinn stand darauf, eine Geschichte der Liebe nachzuerzählen, der
Liebe zu folgen bis zu dem Punkte, wo sie den Menschen für Haus und Land, für
Zeit und Mitwelt reif, mündig, wirksam zu machen beginnt.
    Deine Seele hat manchen Gedanken von mir in sich empfangen, Du hast ihn
gepflegt und mir schöner zurückgegeben. Von Dir vernahm ich zuweilen erst, was
ich eigentlich gedacht hatte. Höre denn auch jetzt, was meine raue und
ungestüme Lippe Dir zustammelt; pflege es in einem feinen, guten Gemüte.
    Unsere Zeit ist groß, der Wunder voll, fruchtbar und guter Hoffnung. Aber
irr und wirr taumelt sie noch oft hin und her, weiß die Stege nicht und plaudert
wie im Traume. Das rührt daher, weil das Herz der Menschheit noch nicht wieder
recht aufgewacht ist. Denn nicht abhanden kam der Menschheit das Herz, es ward
nur müde und schlief etwas ein. Im Herzen müssen sich die Menschen erst wieder
fühlen lernen, um den neuen Weg zu erkennen, den die Geschlechter der Erde
wandeln sollen, denn vom Herzen ist alles Größte auf Erden ausgeschritten. Moses
sah an das Elend seines Volkes und führte es hinweg;
