 seine Verhältnisse,
bedenken Sie seine Verwandten, von denen die meisten so stolz sind, bedenken Sie
unseren König, bedenken Sie endlich Oswalds eigenes Herz, das von äußeren
Umständen, von Widerspruch mit den Forderungen der Welt so leicht in
Verlegenheit gesetzte Herz eines Mannes, sehen Sie doch um des Himmels willen
die Dinge, wie sie sind!«
    »Ja, gnädige Frau, ich sehe die Dinge, wie sie sind, nicht wie sie scheinen.
Hätte er noch Eltern, so wäre es etwas anderes. Der Eltern Macht ist von Gott,
das weiß ich, obgleich ich Arme keine hatte. Entsagen würde ich ihm zwar immer
nicht, wenn er auch noch Vater und Mutter besäße, aber geduldig harren und zu
ihm sprechen: Oswald, harre auch du in Geduld, bis Gott deiner Eltern Sinn
wendet! Jedoch so! Verhältnisse und immer Verhältnisse! Ei, ist es nicht auch
ein Verhältnis, wenn ich seine Frau bin? Also Verhältnis gegen Verhältnis, und
wir wollen erwarten, welches das mächtigere und bessere sei! - Nehmen seine
stolzen Oheime und Tanten ihn in ihre Arme, dass er darin ruhe und lächle und
wachse und gedeihe? Nein. Aber ich werde es tun. Baut ihm Ihr König sein Haus
auf? Nein. Aber ich werde es tun mit des Himmels Hilfe. Und wenn er einmal so
schwach sein sollte, verlegen auszusehen über mich, denn es ist möglich, dass Sie
darin recht behalten - nun, der Schwäche wird eben die Stärke beigesellt! Ich
werde seine Stärke sein, ich werde ihn fragen: Oswald schämst du dich meiner?
Und wahrlich, gnädige Frau, auf die Frage wird er ja sagen, aber er wird sich
ermannen und für alle Zeiten den unwürdigen Kleinmut ablegen.«
    Klelia wurde immer erbitterter. »Ich würde mich tief gedemütigt fühlen durch
einen Gatten so hoch über meinem Stande«, sagte sie herb und schneidend.
    »Das kann wohl sein«, versetzte Lisbeth. »Darin hat jeder seinen eigenen
Sinn. Ich fühle mich gar nicht gedemütigt dadurch, dass er ein großer Graf ist
und ich ein geringes Mädchen ohne Herkommen bin. Er könnte noch zehnmal größer
sein und ich würde dennoch keine Demütigung empfinden. Ja, ich weiß, es hat auch
Mädchen gegeben in meiner Lage, die winselnd sprachen: O wärst du ein armer
Hirt, mein hoher Liebster! - Ich aber, ich wünsche mir ihn gar nicht zum Hirten
herunter; nicht soll er seine Größe ablegen um meine Kleinheit! Sondern das ist
eine neue Seligkeit für mich, dass er so vornehm ist, und mich emporhebt aus
meiner Niedrigkeit und mich zur Gräfin macht und auf sein hohes Schloss führt.
Ach, ich will ja nichts mehr
