 Komödie hätte liefern können. - Wo ist da
vernünftiger Zusammenhang?«
    »Sie lassen etwas aus in der Geschichte«, sagte der Diakonus.
    »Nun ja. Ich schrieb, als ich überall hören musste, ich sei bescholten, an
meinen Bräutigam nach Wien und erklärte ihm höchst edel, eine Bescholtene dürfe
nicht seine Gemahlin werden; er sei frei und des gegebenen Wortes ledig. Dieser
affektvolle Brief wirkte denn dermaßen auf ihn, dass er sich in kürzester Frist
zum Herrn aller Schwierigkeiten machte, die unserer Verbindung entgegengestanden
hatten und, so rasch die Pferde Tag und Nacht laufen wollten, nach Stuttgart
eilte.«
    »Und aus solchen offenbaren Zeichen erkennen Sie den Gott nicht, der in
Ihrem und Ihres Vetters Schicksale waltete?« fragte der Diakonus mit komischem
Ernst.
    »Welcher Gott?«
    »Der Zufall!« rief der Diakonus feierlich.
    »Das ist ein schöner Gott«, versetzte Klelia und lachte.
    »Gnädige Frau«, sagte der Diakonus, »glauben Sie mir sicherlich, die Welt
wird erst wieder anfangen zu leben, wenn die Menschen sich erst wieder vom
Zufall hin und her stoßen lassen, wenn man z.B. ausgeht, um Rache zu nehmen, und
sich nicht darüber verwundert, findet man statt der Rache eine Braut, wenn man
(Sie verzeihen meine Freimütigkeit) in einer zufälligen allerliebsten Aufwallung
entsagende Briefe nach Wien schreibt, und ebenso zufällig von der Entsagung zum
Häubchen abfällt. Unsere Zeit ist so mit Planen, Tendenzen, Bewussteiten
überdeckt, dass das Leben gleichsam wie in einem zugesetzten Meiler nur verkohlt
und nie an der freien Luft zur lustigen Flamme aufschlagen kann. Die
Lebensweisheit der wenigen Vernünftigen heutzutage besteht folglich darin, sich
von der Stund und von dem Ungefähr führen zu lassen, nach Launen und Anstössen
des Augenblicks zu handeln.«
    »Bravo!« rief Klelia. »Sie sind ein wahrer Priester für uns Weltkinder. Und
das sagt er alles so ernstaft, als sei es ihm damit bitterer Ernst.«
    »Ich predige ja nur über ein christliches Gebot«, sprach der Diakonus
lächelnd.
    »Wie lautet dieses sogenannte christliche Gebot?«
    »Sorge nicht um den anderen Tag«, versetzte der Diakonus. Die junge Dame
begehrte jetzt auch seine Exegese über die leeren Nöte des Liebespaares. Er
bedachte sich etwas und sagte dann: »Ich muss hier schwerfälliger werden als bei
dem anderen Thema. Zuvörderst sei Ihnen gesagt, dass diese Liebe mich rührt, die
Liebe meines Freundes und des guten Mädchens, welches er auf so ungewöhnliche
Weise kennengelernt hat. Ich meine, in ihnen ein vom Schicksal bezeichnetes Paar
zu sehen und ein völliges Aufgehen zweier Seelen ineinander. Die Liebe ist nun
Leid, wie alle Dichter singen,
