 Magd fürbass. Die Magd
konnte wegen des schweren Korbes nicht rasch gehen, er bestellte sie daher nach
dem sogenannten alten Spritzenhäuschen, welches auf der Hälfte des Weges lag,
und ging eilig voran, weil er unterwegs in einem einzelnen Hause noch eine
Verrichtung hatte.
    Zu der langsam nachwandelnden Magd gesellte sich aber, als ihr Herr ihrem
Gesichte entschwunden war, ein zweiter Wanderer, der Schulmeister Agesel. Die
Magd hatte wohl von den Einbildungen des Schulmeisters vernommen, da sie aber zu
den mutvollen Personen ihres Geschlechts gehörte, so fürchtete sie sich nicht
vor ihrem Begleiter, vielmehr war es ihr lieb, Gesellschaft zu finden. Der
Schulmeister seinerseits war erfreut, die Magd zu finden, denn er wollte an
ihren Herrn, nicht ihm ein Leid zuzufügen, sondern den Leugner von seinen
gesunden Verstandeskräften zu überzeugen. Nachdem er im allgemeinen über diesen
Punkt mit der Magd gesprochen hatte, sagte er zu ihr: »Es ist ja mein offenbarer
Schaden und eine Sache, die mir mein ganzes Brot und den Kredit in der
Bauerschaft verderben kann, wenn der Küster, der noch dazu ein halber Amtsbruder
von mir ist, überall umherläuft und mich bei den Leuten anschwärzt. Deshalb muss
ich ihn notwendig davon überzeugen, dass ich meine fünf Sinne beisammen habe.«
    »Natürlich«, versetzte die Magd. »Wenn mich einer eine Diebin schilt, so muss
er auch hören können, warum ich keine Diebin bin.«
    »Nun also!« fuhr der Schulmeister eifrig fort, »und heute muss es geschehen,
denn die Gelegenheit kommt mir nie so günstig wieder.«
    »Wie das?« fragte die Magd.
    »Wenn ich ihn in der Stadt aufsuche oder im Freien ansprenge, so reißt er
aus, wie er mich nur erblickt. Hält er aber, wie Ihr mir sagt, im alten
Spritzenhäuschen seine Mahlzeit ab, und ich trete mit meiner Rede unversehens in
den Eingang, so muss er wohl Stich halten und alle meine Gründe anhören, denn es
ist wider die Natur der Furcht, dass er gegen mich stürzen, mich überrennen und
so das Freie gewinnen sollte.«
    Die Magd dachte einen Augenblick nach und sagte dann: »Da ist nur eines zu
befürchten.«
    »Was?« fragte der Schulmeister.
    »Dass er ein Fach an der anderen Seite ausschlägt und so durchbricht. Denn
das Spritzenhäuschen ist sehr alt und verfallen und die Lehmwände haben überall
große Löcher, zu denen der Tag einscheint, und wenn mein Herr in der Angst und
Furcht gegen so ein Loch stürzt, so stehe ich nicht dafür, dass er die ganze Wand
einrennt, denn, kriegt er die Manschetten, da ist mit ihm nicht zu spassen.«
    »Deshalb müsst Ihr mir
