
einmal kam mir nun der Jude, der mir vorgeschossen hatte, über den Hals und ließ
mir das Erb anschlagen. Ich wurde herunter gepfändet und hatte dann die Erde zum
Lager und den Himmel zum Dach. Und so bin ich denn nach und nach, Herr Schmitz,
zu dem Leierkasten, in diese Lumpen, in den Hunger und in die Kälte geraten, und
so ein räudiger Bettelhund geworden, wie Sie mich da sehen.«
    Der arme und jämmerliche Mensch sah nach dieser Erzählung mit dem Blicke
eines so kalten und bodenlosen Elendes vor sich hin, dass es den alten Schmitz,
der von Natur weichherzig war, erbarmte. Er begriff nun wohl, dass er von dem
unglücklichen Mörder nichts zu befürchten habe, trat ihm daher näher und sagte:
»Ich fasse noch nicht recht den Grund, weshalb der Hofschulze Euch den Gerichten
entzog, denn, wenn ich auch sonst wohl einsehen kann, warum er mit seinem
Freigerichte hantiert, so hätte ihm in diesem Falle Eure öffentliche
Verurteilung doch eine größere Genugtuung gegeben.«
    »Oh«, rief der Patriotenkaspar, »das ist eben die ausbündige Bosheit des
alten Blutsaugers!« - Er raufte seine buschichten Augenbraunen. - »Denn wie ich
nachgehends gehört habe, so sind Zeugen gewesen, zu denen der Bengel, der
Fritze, sich berühmend gesagt hatte, er wolle mir an dem Abende auflauern. Nun
war der dicke Knüppel neben dem Toten gefunden worden und mein Auge war doch
auch weg, also folglich konnte ich mich auf Notwehr berufen, und den Kopf hätten
sie mir nicht 'runter gehauen, sondern ich wäre vermutlich mit etwas Gefängnis
davongekommen. Das sah der alte Satan voraus und deshalb wollte er mich auf
seine eigene Hand für zeitlebens unglücklich machen. Ich habe aber auch eine Wut
auf ihn gehabt die Jahre her bei meinem Leierkasten, Herr Schmitz, ich kann
Ihnen nicht sagen, was für eine Wut. Und lange konnte ich ihm nicht beikommen,
aber nun - -«
    »Pfui«, sagte der alte Schmitz. »Schämt Euch, Kaspar, wer wollte so
rachgierig sein!«
    Der Patriotenkaspar stürzte seinem Gönner zu Füßen, umschlang die Kniee des
alten Mannes mit seinen hageren und haarichten Fäusten, als wollte er ihn um
Verzeihung für seine Sinnesart bitten und rief mit hohlem zerreissendem Tone: »O
Herr Schmitz! Rachgierig muss der Mensch sein, wenn sie ihm alles genommen haben,
sonst verkommt er gar. Ich wäre längst verhungert, aber ich frass meine Rache,
und so blieb ich leben. Es steht wohl geschrieben: Segnet, die euch fluchen,
aber es gibt keinen, keinen auf Erden, für den es geschrieben steht, zum
wenigsten keinen Unglücklichen.«
    »Nun, und was
