 Gottes, um den neuen Bund in sich zu stärken; bis in die Grüfte der Toten
wird der verwandelte Wein gespendet, um die Abgeschiedenen von Hades und
Tartarus fernzuhalten und im Himmelreiche zu konsignieren, aber das hilft alles
nichts, die Götter sind schlau und schleichen sich unter mancherlei
Verkleidungen in das feindliche Lager, dort neckenden Missverstand, Irren und
Wirren anzurichten. Der Vogel der Juno spreizt sein Rad an den Wänden der
Katakomben aus und schreit von Unsterblichkeit, Bacchus der Gott schickt seine
Tiger, schleudert den Wurfspiess in den Weinberg des Herrn, Apoll erinnert sich,
wie er bei Admeten die Schafe gehütet, und maskiert sich als guter Hirte, frech
zeigt sich sogar der Phallus in der Welt, welche Entsagung buchstabierend
einlernt, das allerschwerste Wort, das Wort, immer wieder von der armen
Menschenlippe vergessen.
    Eigentümliches Kampfgewimmel, schwärmendes Larvenspiel der Vorstellungen!
Wunder auf Wunder müssen geschehen, um die Macht des drängenden Paganismus
abzuwehren; diese Zeiten, die man zu den einfachsten, geistigsten des
Christentums hat umprägen wollen, sind die sinnlichsten, materiellsten; man will
es mit Händen greifen, das Heilige, der Glaube hat sich in seinen eigenen Tiefen
anstatt der Wolken, die Zeus versammelt, und der Furche, in welche Demeter das
Korn sät, einen neuen Stoff erzeugt. Dieser Stoff ist die Träne, das Leiden, das
Geheimnis, die Entzückung. Er schwelgt an dem Stoffe, er genießt ihn.
    Und nun? - Wer mag die Strömung nennen, in welcher das Schiff unserer Tage
fährt. Wer das Wort des Rätsels aussprechen, an dem die Geschlechter der Erde
nagen? So viel ist richtig: der Tod und der Himmel sind zurückgewichen in den
Hintergrund der Gedanken, und auf der Erde will der Mensch wieder menschlich
heimisch werden. Heißt das: Er will das Fleisch bei Champagner und Austern
emanzipieren? Nein. Heißt's: Die Erde soll ihm nur das Mistbeet sein, in dem er
sich sein Gemüse zieht? Nein. - Sondern mit den Blitzen seines Geistes will er
die Erde durchdringen, dass sie geistschwanger werde, er will sich an ihr eine
Freundin seiner besten Stunden, eine ernste und doch heitere Gefährtin seiner
reifsten und männlichsten Jahre gewinnen.
    Und da wird wieder die Religion in das Mittel treten müssen. Denn die
Weltgeschichte ist immer nur das Gewand der Gottesgeschichte. Aber wie? Der Atem
der Zeit sauset, und wen er berührt, der weiß nicht, wie er gestern dachte, noch
wie er morgen denken wird. Abgetan liegt das Mittelalter hinter uns mit seinen
zwei Entdeckungen, der Hierarchie und der christlichen Kunst. Die Kunst büsst, wo
sie sich jetzt gegen den Himmel wenden will, ihre Naivetät ein und mit der
Naivetät hat eine Kunst ihre
