 waren, worin der Mensch seine Taten zu vollbringen anfängt,
schrieb ihr Vater an sie drei gleichlautende Billette des Inhalts, er erwarte
jetzt von ihnen Großes. Karl Emanuel setzte sich darauf hin, um ein neues System
zu erfinden, Karl Nathanael griff zur Feder, um eine nie erhörte politische
Wahrheit zu offenbaren, Karl Gabriel ging im Tiergarten spazieren, um ein
Trauerspiel zu ersinnen, welches die Reformation der Bühne bewirken sollte. Sie
gaben sich die größte Mühe jeder in seinem Fache, aber sie war umsonst. Nicht
einmal den Titel zu einem Trauerspiele fand Karl Gabriel trotz seiner vielen
Spaziergänge im Tiergarten, er begriff nicht, wie einen geborenen Dichter die
Musen so im Stich lassen konnten. Karl Nathanael brachte nach langem Sinnen den
Satz heraus: »Die Staaten teilen sich in Monarchien, Aristokratien und
Demokratien.« Aber ein kundiger Freund, dem er davon sprach, riet ihm, mit
dieser politischen Wahrheit nicht hervorzutreten, weil sie kaum ganz neu zu
nennen sei. Karl Emanuel machte es, wie Karl Gabriel, nämlich, er machte nichts.
    Als sie die Vergeblichkeit ihrer Bestrebungen einsahn, zerfielen sie mit
dem Leben. Gabriel nannte die Quelle der Dichtung überhaupt versiegt und knüpfte
in diesem Unmute ein kurzes verdriessliches Verhältnis mit Gervinus an, bis sie
sich auch wieder trennten, weil ein Malcontenter dem anderen bald unausstehlich
wird; Emanuel hatte einen Augenblick Lust, fromm zu werden, konnte aber dazu
nicht recht gelangen, weil sein Gedächtnis schwach war und die Frommen viele
Redensarten auswendig behalten müssen. Am glücklichsten war noch verhältnismäßig
Nathanael, er resignierte und legte sich in seinem zweiundzwanzigsten Jahre auf
den reinen Papierwucher. Freilich klagte auch er, wie seine Brüder, dass der
Himmel dumm und die Erde abgeschmackt sei, indessen machte er doch guten Profit.
    Die drei Brüder hatten sich, als ihre Hoffnungen scheiterten, zusammengetan.
Sie klagten einander vor, wenn ihr Gähnen es zuließ. Auch darin waren sie
unglücklich, dass niemand sonst ihr Weh mitempfand. Emanuel pflegte zu sagen:
»Nichtiges Dasein«; Nathanael: »Nüchterne Zustände«; Gabriel: »Kahles,
vernutztes Leben«. - Viele Leute hielten sie für Narren. Ich aber sage: Es ist
ein großes Missgeschick, wenn ein Jüngling kein reformatorisches Trauerspiel
machen, kein neues philosophisches System erfinden, keinen Umschwung in den
politischen Ideen des Zeitalters hervorbringen kann.
    Als sie am tiefsten herunter waren, stand ihnen jedoch die Hilfe am
nächsten. Sie lernten nämlich einen Mann kennen, einen wunderbaren Mann, einen
Mann, der mehr zu sein schien als ein Mensch. Nach wenigen Unterredungen, die in
geheimnisvollen Worten geführt wurden, hörten sie, dass dieser übermenschliche
Mann das Mittel besitze, ein klassisches Trauerspiel zu verfertigen, dem
Philosophen aber und
