
    Nachdem der Schlossherr, also rumorend, die Gerichtsstube eingerichtet hatte,
setzte er sich in den orangeplüschenen Grossvaterstuhl, legte die Hände auf die
Gerichtstafel und freute sich über sein zustandegebrachtes Werk.
    »Das hat mir gefehlt!« rief er. »Eine feste praktische Beschäftigung
mangelte mir! Darum fühlte ich ungeachtet aller Studien bisher eine so
peinigende Leere. Denn wie gefüllte Blumen zwar die schöneren zu sein scheinen,
eigentlich aber kränkeln und früher absterben, als die einfachen, so ist ein
unbeschäftigter Mensch, wenn er seinen Geist auch noch so herrlich schmückt, im
besten Falle doch nur einer gefüllten Blume gleich. Die Kräfte seiner Seele
vergeuden sich in eitler Blätterfülle und abgesehen davon, dass nach ihm keine
Frucht bleibt, so erstickt er auch selbst bald an dem Übermasse missgewandter
Säfte. Dagegen leitet ein tätiger Beruf die Geister, welche das Leben nähren, in
die rechten Röhren und Kanäle, von denen sie dann in gesunden und gottgefälligen
Bildungen als schlanke Stengel, frische Blätter, duftige Blüten ausgehen. Alle
müßigen Menschen, und seien sie die bestgearteten, haben oder bekommen eine
Neigung, andern wehe zu tun, nur um doch mit etwas ihre Tage auszufüllen,
während der Fleiß, der durch Geschick oder durch Vorsatz auferlegte, auch
geringere Seelen zu veredeln pflegt. Nicht mit Unrecht kann man sagen, dass er
wie ein Magnet durch fortgesetztes Tragen unglaublicher Lasten mächtig wird,
während die Trägheit ein Stahl in der Scheide ist, den zuletzt doch der Rost
zernagt. Auch ist ferner zu sagen, dass die emsigen Bienen, obzwar ihnen die
Natur einen scharfen Giftstachel gegeben hat, nur gereizt stechen, und den
Nichtbeleidiger unbeleidigt durch ihren Schwarm hindurchgehen lassen, wogegen
die nicht sammelnden Wespen jeden, auch den Ruhigsten mutwillig anzufallen
pflegen. Weshalb der Fleiß ein Freund seiner selbst und anderer genannt werden
darf, die Faulheit aber als Feindin an sich und jedermann handelt. Und darum ist
es mir so lieb, dass meine letzten Tage nunmehr aus dem müßigen Schwärmen,
welches mich ganz aushöhlte und vernichtigte, in eine rühmliche Tätigkeit sich
retten, bei welcher ich mit gutem Gewissen und starkem Bewusstsein geduldig die
Rückkehr der alten Verhältnisse und meinen Eintritt in das höchste Gericht
erwarten kann. Auch dass der Wohlstand sich wieder hebt, ist keinesweges gering
zu schätzen. Sechsmalhunderttausend Luftsteine sind ein schönes Einkommen, denn
wenn ich das Tausend Steine auch nur auf zehn Taler anschlage, so gibt das eine
jährliche Revenue von sechstausend Talern. Von diesen will ich viertausend
verzehren, und den Rest zurücklegen, halb für meine Tochter und halb für mein
Pflegekind Lisbeth zu einer Aussteuer.«
 
                                 Achtes Kapitel
                      Rechtsfälle und Auseinandersetzungen
Als der Syndikus und Luftverdichter diese Rede vollendet hatte, hörte er jemand
auf den Söller kommen, rief ihn an und sah,
