 vorgegangen. Man sah ihn einsam durch die Wälder streifen, er floh
der Brüder wilde Reihn, aber ach! das Schönste suchte er nicht auf den Fluren,
womit er seine Liebe schmückt'! Die Liebe erstarb in diesem Busen, eine sinistre
Falte des Unmuts lagerte sich auf der denkenden Stirn, Entschlüsse reiften in
ihm, die zum Schrecken des Geschlechts finstre Taten wurden. Haarscherer durch
Bestimmung, dem inneren Berufe nach Lederhändler, Perückenmacher aus
Resignation, wurde er Tragiker aus Menschenhass, dem leider die Reue bis jetzt
nicht gefolgt ist. Ja, meine Freunde, alle jene Trauerspiele, worin entweder der
Held die Stiefeln seines Bruders zu putzen hat, die Geliebte aber ihn auf jene
Welt vertröstet, in welcher er nicht mehr nach Wichse riechen wird, oder worin
der Landrat Friedrich Barbarossa seine Dienstleiden erzählt, der Steuerexekutor
Heinrich der Sechste sich mit Beitreibung der Gefällereste plagt, oder der
biedre, aufgeklärte Pastor Friedrich der Zweite aus Gielsdorf wegen
Rationalismus verdammte Scherereien mit dem Lyoner Konsistorium hat, die
stuhlsetzenden Kämmerlinge jedoch, also die Abräumer, eigentlich die einzigen
handelnden Personen sind, ja, meine Freunde, alles das, und o Gott! wie
unendlich viel mehr hat nur die Misantropie Hirsewenzels geboren. Wir wären
damit verschont geblieben, wenn er seinem wahren Berufe hätte folgen dürfen.«
    »Könnte man denn nicht noch jetzt dem Fortschritte des Unheils Einhalt tun?«
fragte das Fräulein, sonderbar verlegen.
    »O, meine Gnädige!« rief Münchhausen begeistert; »es bleibt doch ewig wahr,
das Wort unsres Schiller: Was kein Verstand der Verständigen sieht, das übet in
Einfalt ein kindlich Gemüt! Sie haben da in Ihrer Einfalt einen großen Gedanken
gefunden. Ja, wir wollen, da gegenwärtig auf so vieles subskribiert wird, eine
Subskription durch ganz Deutschland eröffnen, zu dem Ende, mit vereinten
Nationalkräften für Hirsewenzel eine Gerberei in Schlesien unter den
Wasserpolacken anzupachten, ihm so einen heitern Abend des Lebens zu schaffen,
die Bühne aber von ihm zu befrein. Ich bin überzeugt, selbst unsre Fürsten,
denen ja Poesie und Literatur so sehr am Herzen liegen, geben etwas dazu, einen
Gulden oder einen Taler, je nachdem sie über Gulden- oder Talerland herrschen.
Doch für jetzt nur weiter in meinem Texte.
    Als in Isidor der Gedanke an sein verfehltes Dasein einmal recht zum
Durchbruch gekommen war, da rief er aus: Weil ihr mich im Leben nicht habt zum
Leder kommen lassen, so will ich euch, da ich euch leider nicht ans Leben selbst
kommen kann, wenigstens das Bild des Lebens, die Bühne ruinieren.
... Die Welt
Ist noch auf einen Abend mein. Ich will
Ihn nützen, diesen Abend, dass nach mir
Kein Pflanzer mehr in zehen
